Die Kampenwand mal anders. Anders gut!

Eines der berühmtesten Chiemgauer Aushängeschilder in Sachen Berge ist unumstritten die Kampenwand. Die kennen sogar solche, die sich nur ab und an auf der A8 rumschlagen und mal den Blick schweifen lassen. Die markante Silhouette springt einem sofort ins Auge. Damit sich manche nicht den ganzen Beitrag fragen wie das Teil denn jetzt aussieht lüften wir das „Geheimnis“ mal:

Kampenwand von der Steinlingalm aus

Der Normalweg von Aschau aus reizt mich allerdings wenig. Ich habe schon ein paar Stimmen gehört die den Aufstieg bei schönem Wetter einem Almauftrieb gleichsetzen. Und wer so nicht hochkommt, für den gibt es die Kampenwandbahn. Ich hab also nach Alternativen gesucht, schließlich gibt es auf (fast) jeden Berg mehr als einen Weg. Und so leg ich mir eine Route zurecht, die mich von Schleching (Parkplatz Mühlau) aus erst in Richtung Hochplatte und später auf den Ostgipfel der Kampenwand führen wird.

Ich starte am Montag, so sollte sich der Gipfelrummel in Grenzen halten. Noch dazu, da ich erst nach der Arbeit starte und um 16:30 Uhr vom Parkplatz in Mühlau wegkomme. Die mega langen Tage und das Topwetter aber machens möglich.
Nochmal kurz den Rucksack gecheckt:

  • 1,5 Liter Wasser in der „Saufblodda“
  • Kamera 1
  • Kamera 2
  • Telefon
  • Seitenbacher Energiebombe
  • Rettungsdecke
  • Erste-Hilfe-Set

Nur noch 2 Liter Sonnencreme auf mir verteilen, dann kanns losgehen.

Die Tour startet mit einem kurzen Stück Teerstraße hinauf zu einem Bauernhof. Einmal mitten durch zweigt am Ende ein kleiner ausgeschilderter Weg in den Wald hinein. Nach einem kurzen Anstieg stoße ich auf eine Forststraße, gehe 10 Meter nach rechts und folge der Beschilderung „Hochplatte“. Nach kurzer Zeit stelle ich fest, ich bin richtig! Ok, war nicht schwer, aber den Stefan Gnadlweg habe ich auch im Internet schon mehrmals gelesen.

Eindeutig Stefan Gnadl sei Weg

Der Weg endet auf dem ersten Plateau bei der Oberauerbrunstalm. Hier muss ich das erste mal länger Inne halten, den Moment genießen und natürlich auch ein paar davon auf die Speicherkarte bannen.

 

Nachdem ich den Kühen beim Grasen zugesehen hab und dafür skeptische Blicke der Wiederkäuer geerntet habe mach ich mich wieder auf den Weg, der sollte ja bekanntermaßen noch länger sein.
Vor allem, da jetzt der Endboss des ersten Levels ansteht. Ich habe kein Foto gefunden, dass die Steilheit des kommenden Anstiegs dokumentiert, also müsst ihr mir einfach glauben. Es ist verdammt steil! Und heiß. In der prallen spätnachmittaglichen Sonne schiebe ich mich Zug um Zug den Berg hoch. Am Ende des Anstiegs wartet immerhin eine Bank auf der man entkräftet in Ohnmacht fallen kann. Kommt man wieder zu sich wird einem dieser Ausblick dargeboten.

Nach diesem Uphill-Kraftakt gönnt einem der Berg nur bedingt eine Pause. Zwar warten keine Höhenmeter, allerdings ein technisch nicht zu unterschätzender Trail.
Trotzdem macht es ungeheuren Spaß über Stock und Stein unterhalb des Teufelsteins fast zu fliegen und dabei ordentlich Meter zu machen 🙂
Noch ziemlich außer Atem nach dieser Vollgaspassage raubt einem der sich nun offenbarende Ausblick zusätzlich den Atem. Einmal mehr muss ich mich einfach hinsetzen und das auf mich wirken lassen.

Selten sieht man ein Ziel so klar vor Augen wie hier. Im Vordergrund die Almen und begrünten Berghänge, die ein fast kitschiges Bild des vorausliegenden Weges malen. Wenn dieser Trail nicht „Lauf mich!“ schreit weiß ich es auch nicht. So gern ich hier auch Wurzeln schlagen will – es zieht mich weiter. Was kommt denn da noch so schönes?
Ein paar Meter weiter oben eröffnen sich einem viele Möglichkeiten. Hier geht es zB auch zur Hochplatte weg. Ich biege links ab und komme relativ schnell an der Piesenhauser Hoch-Alm vorbei. Bei einem kurzen Blick nach rechts reißt es mir schon wieder den Kopf rum und ich bin eifrig am Glotzen. Der Chiemsee, das Bayrische Meer sollte meine Aufmerksamkeit nicht das letzte mal für sich gewinnen!

Nun wirds wieder richtig spannend, denn der Zustieg zur Kampenwand führt erst etwas steiler hoch bevor man im Minutentakt mit völlig unterschiedlicher Flora und Fauna begeistert wird.
Der Maximilianweg schlängelt sich geradezu an den Ostaufstieg heran, welcher durch mehrere Hinweise markiert vielleicht den ein oder anderen verschrecken mag.

Soviel sei gesagt: Jeder muss sich seiner Fähigkeiten bewusst sein und auch seine aktuelle körperliche Verfassung einschätzen können. Lieber mach ich eine Pause mehr als eine nicht endende Pause in einer Kiste unter der Erde 😉 Ich empfinde den Aufstieg als aufregend und willkommene Abwechslung zur bis dahin reinen Wandertour. An einer Stelle wird es sehr ausgesetzt (Seilversichert) und kurz unterhalb des Gipfels gilt es einen knapp 5 Meter hohen Vorsprung fast senkrecht zu überwinden (ebenfalls Seilversichert). Wer sich das zutraut wird auf dem nur noch kurzen Weg zum Gipfel mit einigen der spekatulärsten Panoramen der Tour belohnt! 🙂

Nach dieser mentalen Challenge sind es nur noch ein paar Meter und mein heutiges Ziel ist erreicht!

Ihr erblickt mich hier mit einem zutiefst zufriedenen Lächeln vor dem höchsten Gipfelkreuz in den bayrischen Alpen 🙂 Mit seinen 12 Metern sieht man es tatsächlich ziemlich weit!
Gipfelrummel? Fehlanzeige! Ich komme an und bin erstmal alleine. Nach kurzer Zeit kraxelt noch ein Trailrunner den Gipfel hoch, er verlässt mich aber schon nach kurzen wieder – bye bye.
Ich genieße die Aussicht ein paar Minuten, fülle die Energiespeicher mit meiner Energiebombe und dann gehts auch schon wieder bergab.
Da ich ein Freund von Rundtouren bin gehts natürlich wo anders runter. Beim Aufstieg hab ich schon die Steinlingalm am Fuße der Kampenwand entdeckt und da solls jetzt auch hingehen.

Der kurze Downhill ist ziemlich anstrengend, allerdings eher für die Birne. Viel Geröll und abgegriffene Steine geben nicht den besten Halt.
Egal, ohne Sturz rolle ich ins Flachstück aus und chille mal wieder 5 Minuten bei traumhafter Kulisse mein Leben.

Von der Steinlingalm gehts nun einmal um die Kampenwand rum zur Sonnenalm, wo sich auch die Bergstation der Kampenwandbahn befindet.
Ein befestigter, ca. 2 meter breiter Weg, stationäre Ferngläser und zahlreiche Sitzgelegenheiten lassen den Massentourismus erahnen.
Nicht dass ich das schlecht finde oder gar verachte (wenn jeder die Umwelt respektiert und seinen Müll mitnimmt), aber irgendwie ist mir das doch lieber:
Die sich langsam dem Horizont nähernde Sonne, in der ferne höre ich Kuhglocken und ansonsten ist da nichts, NICHTS! Ich glaube noch nie hat ein Montag einen besseren Ausklang gefunden 🙂

Von der Sonnenalm gehts dann noch einen zuerst richtig schönen, technischen Trail bergab in Richtung Mühlau (angeschrieben). Über die Steinbergalmen kommt man aber recht schnell auf eine Forststraße, die ich bis zum Ende nicht losgeworden bin. Fun Fact #1 : Weil ich eine langgezogene 180 Grad Kurve abgekürzt habe, hab ich den eigentlichen Abstieg über den Wimbach verpasst und bin nochmal gut 1,5 extra km gelaufen – auf der Forststraße. Ich schieb das auf mein schlechtes Mikro-Karma, ich hätte einfach nicht abkürzen sollen 🙂

Fazit: Wer schon immer mal oder just in diesem Moment auf die Kampenwand wollte/will, dem empfehle ich den Aufstieg von Mühlau aus!
Die Tour ist gut 17 Kilometer lange und umfasst 1200 Höhenmeter. Ich war circa 3h30m unterwegs, darin sind aber viele Fotopausen und generelle Chillerei enthalten 😉
An fantastischen Panoramen, Abwechslung und Prestige kenne ich in der Umgebung wenig, das hier heranreicht 🙂

Also, Up we go!

Euer Timo