Ab zur Agnes

Ein schwüler Sommertag im Juni, meine meteorologischen Kenntnisse und falsches Timing – das wird wohl die Quintessenz dieser Tour sein.

Freitag Nachmittag, 15 Uhr. Die Arbeit ist erledigt und das Wetter ist auf absehbare Zeit irgendwo zwischen „das verzieht sich schon“ und „Apocalypse now“. Was also tun? Dass ich mich sportlich betätige steht außer Frage, nur will die Route wohl überlegt sein. Natürlich soll sie abwechslungsreich, spannend, laufbar sein. Aber sie sollte gleichzeitig auch in der Länge variabel sein. Bessert sich das Wetter will ich beliebig erweitern können. Anders herum sollte ich mir auch die Möglichkeit offen halten können jederzeit schnell wieder unten zu sein. Nun ja, bis auf den letzten Punkt bietet die Tour zur Steinernes Agnes und anschließend weiter zum Karkopf eigentlich alles. Bei hereinbrechendem Gewitter kann man dann aber gar nicht schnell genug unten sein – aber dazu später mehr.

Ausgangspunkt ist der Parkplatz „Schlafende Hexe“ circa 500 Meter nach dem Bahnübergang Hallthurm auf der rechten Seite. Dort angekommen wird nochmal kurz die Ausrüstung gecheckt

Nicht allzu viel stellt vielleicht manch einer fest. Ja, ich wollte leicht sein und ohne Rucksack auskommen. Also los gehts – auf ins Lattengebirge

Auf den ersten gut 500 Metern gehts mäßig steil auf einer Forststraße dahin, was ganz gut ist um ein bisschen auf Touren zu kommen und einen ersten Blick auf die Tagesform zu werfen. Danach zweigt der Weg nach rechts ab – die Beschilderung weißt hier neben der Steinernen Agnes auch zur Schlafenden Hexe. Ab hier führt der Weg uns über einen schönen Trampelpfad langsam an den Berg heran. Mit der Zeit werden kleine Stufen zu Größeren und die Serpentinen werden zahlreicher. Der Aufstieg ist wunderbar abwechslungsreich, führt durch Mischwald und über verschiedenste Untergründe. Sogar eine kleine „Aussichtsplattform“ (Foto weiter unten) konnte Mutter Natur integrieren.

Nach etwa 35 Minuten verzweigt sich der Weg. Geradeaus weiter gehts zur Agnes. Wer nach rechts oben abbiegt landet auf dem … ja wo denn eigentlich?
Ein Gipfel – vier Namen: Signalkopf, Mittlerer Rotofen, Busen (der schlafenden Hexe), Bayerischer Löwe. Suchts euch aus 🙂
Ich bleibe natürlich meinem anvisierten Ziel treu und laufe weiter gerade aus. Und was soll ich sagen…

Diese Querpassage ist einfach traumhaft! Auf den anderthalb Kilometern gehts zwar insgesamt nur 50 Meter bergauf, trotzdem ist es eine ständige Berg- und Talfahrt. Und trotzdem ist fast alles wunderbar zu laufen! Mit steigender Euphorie ertappe ich mich wie ich langsam aber sicher immer schneller werde und irgendwann mit wahnsinniger Geschwindigkeit (Spaceballs anyone?!) über Stock und Stein rausche. In nullkommanix bin ich an der Steinernen Agnes bzw. etwas unterhalb. Die Zielgerade muss man nämlich auf allen Vieren beschreiten. Vielleicht gibt es einen anderen/besseren Weg sich von unten an … die … Agnes heranzumachen – Ok das kommt irgendwie komisch rüber. Nun gut – es sind wirklich nur ein paar Meter und man ist auf Augenhöhe mit dieser Schönheit der Natur. Die Felsformation ist durch die Verwitterung unterschiedlicher Gesteinsarten entstanden. Aber irgendwie hatte ich mir das Ding größer vorgestellt 😀

Nichtsdestotrotz ist das immer noch ein ziemlich geiler Flecken Erde! Auch die Aussicht in Richtung Berchtesgaden ist gut und lässt mich für einen kurzen Moment meine größte(n) Sorgen vergessen – das Wetter. Wie auf den Bildern ersichtlich scheint zwar die Sonne, rings herum hat sich aber nichts getan. Ich bin leider immer noch „hungrig“ und will hier noch nicht umkehren. Schließlich stehen ein paar Meter unter mir die tollen gelben Schildchen auf denen mir noch mehr Spaß versprochen wird!

Weiter gehts also in Richtung Karkopf. Zunächst gehts noch ein paar Meter in gleicher Manier weiter – flach, 1-spurig, abwechslungsreich – ein Trail wie er im Buche steht!
Anschließend leitet eine kleine Lichtung zum Aufstieg ein.

Nach dem kurzen aber knackigen Anstieg finde ich mich in einem Talkessel zwischen Karkopf und Dreisesselberg wieder. Ebenfalls ein wunderbarer Ort. Hier wachsen die Latschen auf ungefähr 2 Meter Höhe an und der Trail schlängelt sich leider viel zu kurz durch das Tal.

Danach wirds wieder steiler und felsiger – schwierig oder gefährlich wirds aber nie.

An der nächsten Abzweigung stehe ich nun vor der Wahl. Links gehts zum Karkopf, rechts gehts auf den Dreisesselberg. Beide Gipfel liegen nicht weit voneinander entfernt. Zum Dreisesselberg sind es gut 5 Minuten, zum Karkopf habe ich circa 10 Minuten gebraucht. Da sich eigentlich die gesamte Tour auf der Südost-Seite des Lattengebirges befand und das Wetter bei uns ja aus nordwestlicher Richtung kommt war ich eigentlich die meiste Zeit im „blindflug“ unterwegs. An der Abzweigung bin ich das erste Mal in der Tour über den Kamm gekommen und habe freie Sicht erhalten.

Und wieder:

Jetzt aber schnell!

Auf den letzten Höhenmetern gebe ich nochmal richtig Gas – schließlich will ich möglichst nicht auf 1738 Meter (Karkopf) in ein Gewitter geraten. Ein Gipfelselfie und ein Selfie an meine Mama (mit der Antwort in Trostberg gehe bereits seit 20 Minuten die Welt unter) später mach ich mich auch schon für den Abstieg bereit.

Kurz unterhalb des Gipfels wird mir dann endgültig klar, dass ich es wohl nicht trockenen Fußes ins Ziel schaffen werde.

Das, was sich hier von links ins Bild schiebt, ist eine Gewitterfront die gerade über Bad Reichenhall hereinbricht. Mein Blick sieht nicht mehr allzu entspannt aus 😀
Für den Aufstieg habe ich 1h40m gebraucht. Wenn ich nur halb so lange runter brauche erwischt mich das Teil noch ziemlich hoch oben. Und wer gesunden Respekt vor Gewittern in normaler Höhe hat der möchte in keines auf 1400 metern Höhe geraten – glaubt mir! Nur eines wäre noch beschissener als ins Gewitter zu geraten. Stürzen und dann verletzt im Gewitter bewegungsunfähig rumzulungern 😀
Also heißt es zwar schnell, aber auch sicher zu laufen! Lets go!

Das kann nichts Gutes bedeuten

Ich bin schon eine Zeit lang unter ständigem Donnergrollen in der Ferne gelaufen und ungefähr auf Höhe der Abzweigung zur schlafenden Hexe als es passiert. Unweit von mir muss ein Blitz eingeschlagen haben, denn der nachfolgende Donner hebt mich fast von den Füßen … Holy Crab! Zum Glück gehts jetzt endlich mal nach unten. Aber nur Sekunden nach dem Donner aus der Hölle werde ich von Platzregen aus der Hölle „überrascht“. Selten solch große Tropfen erlebt. Meine Salomonjacke kapituliert nach circa 3 Sekunden und klebt einfach nur an meinem Körper – dafür wurde das gute Stück auch nicht gemacht. Mit jeder Minute die vergeht entwickelt sich der Trail mehr und mehr zu einem reißenden Flussbett. „Irgendwie cool“ denke ich mir bevor mir wieder bewusst wir was hier abgeht 🙂

Nach gut einer Stunde bin ich dann wieder am Auto. Ausgepowert, klatschnass und erleichtert! Trotzdem hatte ich, bis auf den kurzen Moment als mir der Himmel auf den Kopf gefallen ist, eigentlich nie Angst oder das Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Etwas mulmig war mir schon – klar. Aber nur bei strahlendem Sonnenschein zu starten ist ja irgendwann auch reizlos 😀

Fazit: Eine superschöne Tour, die sich auch ad hoc beliebig gestalten lässt. Bei unsicherem Wetter schwierig einzuschätzen, da man das Wetter eigentlich nie im Blick hat

 

 

Die Staufenüberschreitung

Eigentlich war diese Tour so ja gar nicht geplant. Zumindest nicht an diesem Tag. Dementsprechend ausgedehnt ist auch das Frühstück ausgefallen, das ich bei noch nebeldurchzogenem Herbstwetter aus sicherer Entfernung am Küchentisch auf gut eine Stunde ausgedehnt hatte. Aber schon ein paar Minuten später löcherte die Sonne die Nebeldecke und leitete damit einen der geilsten Herbsttage überhaupt ein. Der Entschluss für eine Bergtour war ebenso schnell gefasst wie ich in voller Montur in der Wohnung stehen würde. Aber wohin geht’s denn eigentlich? Ein kurzer Blick auf meine geplanten Touren für 2017 (die ich leider nur sehr dürftig „abarbeiten“ konnte) und die Entscheidung ist gefallen.

Die Staufenüberschreitung soll es sein.

Wer schon einmal auf dem Hochstaufen gewesen ist wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon einmal von der Überschreitung gehört haben. Es gibt einige Variationen bzw. Einstiegspunkte für die Tour, ich gehe heute den Normalweg und werde in Adlgaß starten. Also rein ins Auto und ab nach Inzell. Auf dem Parkplatz tümmeln sich erwartungsgemäß schon viele Autos, schließlich ist es schon fast 11 Uhr.

Es kann losgehen – oder besser loslaufen. Die ersten Meter sind wie gemacht um den Körper auf Temperatur zu bringen. Der Weg zum Frillensee ist meistens flach und gut ausgebaut. Ich begegne vielen anderen Läufern und Familien, die ebenfalls den Tag an der frischen Luft genießen. Nach kurzer Zeit nähere ich mich auch schon diesem idyllischen Flecken Erde.

Der Frillensee

Auch ohne große sportliche Ambitionen ist der Frillensee ein beliebtes Ausflugsziel. Kein Wunder, denn für eine Umrundung braucht man im Bummeltempo nur etwa 45 Minuten. Zudem hat die Gemeinde ein großes Angebot von – ich nenn sie mal „Minispiele“ – rund um den See platziert. Hier kann Klein und Groß sogar noch etwas lernen. Ich lass es mir natürlich nicht nehmen und genieße die Aussicht bei der Umrundung.


  

Am Ende des Rundwegs biege ich nach rechts ab und laufe in Richtung der Steiner Alm. Bei der Staufenüberschreitung läuft man also erstmal an der Nordseite des Hochstaufenmassivs entlang. Gamsknogel – Zwiesel – Mittelstaufen – Hochstaufen muss man also vorerst mal von unten betrachten. Der breite Wanderweg ist jetzt einem etwas anspruchsvolleren Trail gewichen. Nicht zu steil, genau richtig mal etwas Gas zu geben 🙂 Leider währt die Freude nicht allzu lange und ich lande auf einer Forststraße. Ziemlich genau einen Kilometer gehts jetzt bei gemächlicher Steigung bergauf. An der Gabelung halte ich mich links – hier würde nun ein Weg zur Steiner Alm abzweigen. Ich bleibe natürlich auf Kurs und komme nochmal 500 Meter später dort vorbei, wo der Zustieg von Urwies aus erfolgt. Ab jetzt wirds wieder interessant. Ich bin schon auf gut 1150 metern, fehlen also noch 600. Über Wurzeln und Steine an der Nordseite des Massivs hinauf komme ich meinem ersten Ziel Schritt für Schritt näher. Die Herbstsonne steht zwar schon relativ tief am Himmel. Da der Weg nur selten durch den Wald führt erwische ich trotzdem noch genug davon. Immer wieder kann ich einen Blick darauf werfen was denn heute noch vor mir liegt.

Mittelstaufen und dahinter Zwiesel

Bis zum Gipfel ist es jetzt nicht mehr weit. Das Gelände wird hier oben anspruchsvoller – man sollte schwindelfrei und trittsicher sein. Bei teilweiser Seilversicherung gehts des Öfteren nur noch auf allen Vieren vorwärts. Mir macht die Abwechslung Spaß, man muss ja nicht immer alles im Laufschritt absolvieren.
Und noch eine Ergänzung: Will man hier auch wieder absteigen sollte man sich seiner Sache im Vorhinein sicher sein. Rauf gehts oft leichter als runter und es ist eher suboptimal wenn das Auto schlussendlich auf der anderen Seite des Berges steht 🙂

Gipfel #1 – Hochstaufen

Auf den letzten Metern zum Gipfel werde ich in meiner Vermutung bestätigt. Man könnte meinen die A8 wurde umgeleitet und führt nun gradewegs über den Hochstaufen. Ich fädle mich in die Kolonne ein und stapfe zum Gipfelkreuz hinauf. Aber hier ist es mir definitiv zu voll, weswegen ich sofort in Richtung Reichenhaller Haus (oder Staufenhaus) weitergehe und es mir etwas oberhalb gemütlich mache. Aus der Entfernung beobachte ich das bunte Treiben aus der Vogelperspektive.

Gipfel #2 – Mittelstaufen

Nach ein paar Minuten Pause gehts direkt weiter. Vorbei am Staufenhaus steige ist vorerst auf dem Normalweg richtung Padinger Alm ab. Die Abzweigung zum Mittelstaufen ist ausgeschildert. Das Schild ragt fast in einem 90 Grad Winkel gen Himmel. Und tatsächlich muss man am Einstieg fast senkrecht einen kleinen Vorsprung überwinden. Das Ganze ist Seilversichert, also alles halb so wild. Über große Steinplatten nähere ich mich dem kleinen Bruder des letzten Gipfels. Ich überhole ein paar Kollegen die ebenfalls zum Mittelstaufen unterwegs sind und kurz Zeit später stehe ich auch schon auf dem mit einer üppigen Grasfläche ausgestatteten Plateau. Hier lässt sichs aushalten!

Mittelstaufen

Trotzdem gehts direkt und ohne Umwege weiter. Ich weiß ja was mich jetzt erwartet und will den Abschnitt direkt in Angriff nehmen 🙂

Lasst euch von dem Foto nicht täuschen. Es sieht nicht besonders weit aus, da bin ich ja in einer Stunde drüben… Das ist natürlich alles eine Frage der Geschwindigkeit, klar. Ich hab ohne große (Foto)-Pausen und und in ganz flottem Tempo gut 1h10m bis zum Zwiesel gebraucht. Dieser Abschnitt ist zugleich auch der kräftezehrendste. Einerseits, da es erstmal die mühsam erklommenen Höhenmeter runtergeht, die man sich logischerweise dann wieder erarbeiten muss. Andererseits auch deswegen, da es nicht einfach erst runter und dann wieder rauf geht… Fast kontinuierlich klettere ich 5 meter runter, 3 hoch, 7 runter, 15 hoch. Wer hier nicht noch genug reserven hat, physisch aber auch psychisch (man neigt Phasenweise dazu den Berg zu verfluchen), wird eine harte Zeit haben 🙂
Genug der Jammerei – schließlich wird man für die Strapazen fortlaufend mit einem wunderbaren Panorama und feinsten (wenn auch nur bedingt lauffähigen) Trails belohnt!

Kurz vor den Zwiesel passiert man noch den Zenokopf, einen kleinen vorgelagerten Gipfel des Zwiesel.

Gipfel #3 – Zwiesel

Auf der Uhr stehen mittlerweile etwas mehr als 3 Stunden als ich den Zwiesel erreiche. Hier oben gehts schon wesentlich entspannter als auf dem großen Bruder zu. Apropos großer Bruder: So mancher wird nicht wissen, dass der Zwiesel höher ist als der namensgebende Nachbargipfel. Mit 1781,6 m über dem Nullpunkt ist der Zwiesel enorme 10 Meter höher als der Staufen 🙂
Nach der ganzen Anstrengung die hinter mir liegt gönne ich mir am Gipfel eine längere Pause und genieße den oder die Momente 🙂

Kollege Vogel begutachtet die Lage

Schon während meinem Sonnenbad freue ich mich auf die kommende Etappe! Der kleine Sprung rüber zum Gamsknogel ist fast sowas wie das inoffizielle Highlight dieser Tour.
Die knapp 20 Minuten vergehen leider viel zu schnell. Ein super Trail mit vielen netten Details auf 1700 metern Höhe hat schon was.

Vom Gamsknogel aus gehts dann auf die Zielgerade. Über die Westflanke gehts hinab zu den Kohler Almen. Der Abstieg ist nicht besonders schwierig, allerdings habe ich zu diesem Zeitpunkt schon 14 Kilometer in den Beinen. Vorsicht ist also geboten, ich will schließlich heil ankommen. Nach 15 Minuten bin ich bei den Kohler Almen und steige sofort weiter ab in Richtung Inzell. Der Weg ist gut ausgeschildert und heute auch nicht wirklich frequentiert. Ich kann also nochmal alles rausholen und komme schlussendlich nach 4h19m wieder am Ausgangspunkt in Adlgaß an – ausgepowert, happy und mit vielen Fotos im Gepäck 🙂

Fazit: Die Staufenüberschreitung ist eine zurecht bekannte und lohnenswerte Tour, die einem teilweise viel abverlangt – aber eben auch viel hergibt.

 

Trail-Raid 2017

Nach einer langen Odyssee die vorrangig aus Prüfungsvorbereitung und meiner Unfähigkeit einen Fuß über eine Wurzel zu heben bestand wurde es langsam allerhöchste Eisenbahn wieder aufs Pferd zu steigen. Nach meiner verhältnismäßig guten Leistung beim Salzburger Halbmarathon war ich mir sicher: Knie hält, Kondition ausbaufähig, Traildrang immens!

Da kam es ja wie gerufen, dass sich Phillip Reiter, David Wallmann und Steve Auch entschieden haben mal etwas Anderes zu machen. Ich bin selbst erst gut eine Woche vor dem Event darauf aufmerksam geworden und hab mir dann bis 2 Stunden vor Anmeldeschluss Zeit gelassen um mich beim ersten Trail-Raid Event in Bad Reichenhall anzumelden.

Was ist jetzt so besonders an diesem Trail-Raid?! Da es spät ist und ich faul bin zitiere ich ganz frech von der Homepage, zu der ihr übrigens hier kommt: Trail-Raid

„Im Prinzip ist der Trail-Raid ein gemütlicher Gruppenlauf über zwei Tage. Der Spaß und die Gemeinschaft stehen im Vordergrund, aber der Wettkampf kommt trotzdem nicht zu kurz.“

Foto © David Wallmann

Und genauso ungezwungen und lässig und war das Event dann auch. Aber jetzt im Detail:

Um 10 Uhr war der Start angesetzt also bin ich um 09:30 vor Ort und staune nicht schlecht über die legere Art der Veranstalter. Ich bin gerne gut Vorbereitet und heute bin ich es definitiv nicht. Parkplatz Rupertus Therme und eine fast verzweifelte Instagram Nachricht an den Veranstalter (Danke Philipp für die Antwort 😃 ) sollen meine einzigen Infos sein. Ok ok, Asche auf mein Haupt. Auf der Webseite stehen natürlich so gut wie alle Infos die ihr braucht.

Ich komme also an und erkundige mich erstmal wie das mit der Zeitnehmung genau funktioniert. Ihr seht, so ganz hab ich das Konzept des Trail-Raid noch nicht verinnerlicht, schließlich geht’s hier doch vorrangig um den Austausch und das Netzwerken mit Gleichgesinnten. Aber sei‘s drum, das wird schon noch! Die Zeitnehmung erfolgt über eine GPS-fähige Uhr oder, uuuund jetzt kommts: natürlich auch ganz easy mit dem Smartphone und der Strava-App. Ein Strava-Account ist – um in die Wertung zu kommen – obligatorisch. Dieser kann aber in ein paar Minuten kostenlos erstellt werden.

Nice! Ich bin 30 Minuten vor Beginn am Start und fertig ausgerüstet, das war einfach. Nach und nach trudeln die anderen Trailer ein und – obwohl ich eigentlich niemanden kenne – fühlt sich das irgendwie so an, also ob hier die eine oder andere Größe in der Szene in der Menge versteckt ist. Die Atmosphäre ist offen und nicht mal ich kann mich so doof anstellen um niemanden zum Quatschen zu finden. Von einem Wettkampf liegt hier wenig in der Luft – Und genau das ist das etwas andere an diesem feinen Event! Nach einer kurzen Begrüßung und Erläuterung zur Strecke geht es dann endlich los! Trail Raid Tag 2 für viele, Tag 1 für mich.

Blitzstart?! Fehlanzeige. Wie eine gut geölt historische Dampflok setzt sich der Pulk in Bewegung und ich maße mir nicht an nach vorne zu preschen. Ihr seht, ich verstehe langsam wie der Hase läuft 😊 Unser Weg führt uns erstmal geradewegs zur Padinger Alm. Von hier aus geht’s auf dem Normalweg weiter nach oben, ehe wir in den blauen Steig einbiegen. Ich war zwar schon zahlreiche male am Staufen und auch am Zwiesel unterwegs, aber den kannte ich noch nicht. Es geht zwar hier mal runter und dort mal hoch, aber Höhenmeter macht man hier definitiv keine gut. An diesem Tag liegt noch massenhaft teils nasses Laub auf dem Steig, was den recht technischen Trail nicht einfacher macht. Ein offenes Auge und etwas Konzentration lassen mich ohne größere Komplikationen an der Zwieselalm ankommen (phu!)

Blick auf die Zwieselalm, Foto © David Wallmann

Aber verschnaufen is nich! Da ich einen Strava-Aufsteller falsch interpretiert habe bin ich schon voll im Raid-Modus 😉 Als ich kurz oberhalb der Zwieselalm dann den eigentlichen Segmentbeginn erblicke weiß ich zu diesem Zeitpunkt schon, dass mir die Power am Gipfel fehlen wird. Und so ist es auch, zumal das letzte Drittel noch komplett von Schnee bedeckt ist und ich heute noch die Flüche aller Teilnehmer durch den Rupertiwinkel und das Chiemgau hallen höre. Macht nichts, oben angekommen bin ich sichtlich im Arsch. Das erkennt auch das alte Pärchen, das immer ungläubiger dreinblickt als mehr und mehr von diesen Wahnsinnigen den Gipfel erstürmen – manche stürmen stärker, ich stürme eher weniger.  Die Sicht war untertrieben ein Traum. Unfassbar! Sichtweite ca 25 Meter, der Hammer! Aber lange hält es sowieso Niemanden oben. Es ist recht kalt und außerdem besagen Gerüchte an der Zwieselalm gäbe es Futter. Und wo’s Futter gibt bin ich in der Regel nicht weit weg. Der erste Downhill macht dann richtig Spaß. Vergessen sind die gerade durchlebten Qualen und mit einem Lächeln im Gesicht geht’s bergab. Wie versprochen wartet auf der Zwieselalm die Verpflegung – nur für Läufer versteht sich 😉

Typische Läuferverpflegung, Foto © Philipp Reiter

Nachdem alle die Basis für den „Owi“-Teil des Trail-Raids in sich verstaut haben kanns losgehen. Den kompletten „Mulisteig“ geht’s in Höchstgeschwindigkeit runter – natürlich immer vorausschauend, schließlich teilen wir die Trails mit Bergwanderern! Von langsam kann trotzdem keine Rede sein – Ich absolviere das Segment in 9:20. Der spätere Sieger galoppiert hier sogar in 6:03 runter, irre!

Von hier aus folgen wir in eher gemütlichem Tempo dem Normalweg in Richtung Listsee. Die anschließenden gut 100hm Anstieg in Richtung Padinger Alm schlagen gleichermaßen physisch wie auch mental voll zu. Jetzt nur nicht einbrechen, schließlich müssen wir noch „Roasn“! Auf dem Schlusssegment über 1,4 km heißt es nochmal alles mobilisieren was sich ganz hinten im Schrank versteckt hat – was nach den bereits abgeleisteten 20 Kilometern wahrlich nicht mehr viel ist. Komplett ausgepowert geht nun wirklich Licht am Ende des Tunnels auf. Nach 3:23h, 21,7 km und fast 1600 hm ist es geschafft und ich bin megafroh mich so kurzfristig noch angemeldet zu haben! Ich hoffe es wird einen Trail-Raid 2018 geben, oder vielleicht sogar einen Trail-Raid 2017 II?

Man darf gespannt bleiben. Ich kann diese Veranstaltung nur jedem ans Herz legen der sich fürs Trailrunning interessiert. Der Fitnesszustand spielt dabei erstmal eine untergeordnete Rolle! Sicherlich sollte man sich einschätzen können und vielleicht auch nicht zum ersten Mal höher emporsteigen als bei McDonalds am Irschenberg… Wenn man hier einen Haken setzen kann steht der Teilnahme beim nächsten Trail-Raid nichts mehr im Weg!