Die Staufenüberschreitung

Eigentlich war diese Tour so ja gar nicht geplant. Zumindest nicht an diesem Tag. Dementsprechend ausgedehnt ist auch das Frühstück ausgefallen, das ich bei noch nebeldurchzogenem Herbstwetter aus sicherer Entfernung am Küchentisch auf gut eine Stunde ausgedehnt hatte. Aber schon ein paar Minuten später löcherte die Sonne die Nebeldecke und leitete damit einen der geilsten Herbsttage überhaupt ein. Der Entschluss für eine Bergtour war ebenso schnell gefasst wie ich in voller Montur in der Wohnung stehen würde. Aber wohin geht’s denn eigentlich? Ein kurzer Blick auf meine geplanten Touren für 2017 (die ich leider nur sehr dürftig „abarbeiten“ konnte) und die Entscheidung ist gefallen.

Die Staufenüberschreitung soll es sein.

Wer schon einmal auf dem Hochstaufen gewesen ist wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon einmal von der Überschreitung gehört haben. Es gibt einige Variationen bzw. Einstiegspunkte für die Tour, ich gehe heute den Normalweg und werde in Adlgaß starten. Also rein ins Auto und ab nach Inzell. Auf dem Parkplatz tümmeln sich erwartungsgemäß schon viele Autos, schließlich ist es schon fast 11 Uhr.

Es kann losgehen – oder besser loslaufen. Die ersten Meter sind wie gemacht um den Körper auf Temperatur zu bringen. Der Weg zum Frillensee ist meistens flach und gut ausgebaut. Ich begegne vielen anderen Läufern und Familien, die ebenfalls den Tag an der frischen Luft genießen. Nach kurzer Zeit nähere ich mich auch schon diesem idyllischen Flecken Erde.

Der Frillensee

Auch ohne große sportliche Ambitionen ist der Frillensee ein beliebtes Ausflugsziel. Kein Wunder, denn für eine Umrundung braucht man im Bummeltempo nur etwa 45 Minuten. Zudem hat die Gemeinde ein großes Angebot von – ich nenn sie mal „Minispiele“ – rund um den See platziert. Hier kann Klein und Groß sogar noch etwas lernen. Ich lass es mir natürlich nicht nehmen und genieße die Aussicht bei der Umrundung.


  

Am Ende des Rundwegs biege ich nach rechts ab und laufe in Richtung der Steiner Alm. Bei der Staufenüberschreitung läuft man also erstmal an der Nordseite des Hochstaufenmassivs entlang. Gamsknogel – Zwiesel – Mittelstaufen – Hochstaufen muss man also vorerst mal von unten betrachten. Der breite Wanderweg ist jetzt einem etwas anspruchsvolleren Trail gewichen. Nicht zu steil, genau richtig mal etwas Gas zu geben 🙂 Leider währt die Freude nicht allzu lange und ich lande auf einer Forststraße. Ziemlich genau einen Kilometer gehts jetzt bei gemächlicher Steigung bergauf. An der Gabelung halte ich mich links – hier würde nun ein Weg zur Steiner Alm abzweigen. Ich bleibe natürlich auf Kurs und komme nochmal 500 Meter später dort vorbei, wo der Zustieg von Urwies aus erfolgt. Ab jetzt wirds wieder interessant. Ich bin schon auf gut 1150 metern, fehlen also noch 600. Über Wurzeln und Steine an der Nordseite des Massivs hinauf komme ich meinem ersten Ziel Schritt für Schritt näher. Die Herbstsonne steht zwar schon relativ tief am Himmel. Da der Weg nur selten durch den Wald führt erwische ich trotzdem noch genug davon. Immer wieder kann ich einen Blick darauf werfen was denn heute noch vor mir liegt.

Mittelstaufen und dahinter Zwiesel

Bis zum Gipfel ist es jetzt nicht mehr weit. Das Gelände wird hier oben anspruchsvoller – man sollte schwindelfrei und trittsicher sein. Bei teilweiser Seilversicherung gehts des Öfteren nur noch auf allen Vieren vorwärts. Mir macht die Abwechslung Spaß, man muss ja nicht immer alles im Laufschritt absolvieren.
Und noch eine Ergänzung: Will man hier auch wieder absteigen sollte man sich seiner Sache im Vorhinein sicher sein. Rauf gehts oft leichter als runter und es ist eher suboptimal wenn das Auto schlussendlich auf der anderen Seite des Berges steht 🙂

Gipfel #1 – Hochstaufen

Auf den letzten Metern zum Gipfel werde ich in meiner Vermutung bestätigt. Man könnte meinen die A8 wurde umgeleitet und führt nun gradewegs über den Hochstaufen. Ich fädle mich in die Kolonne ein und stapfe zum Gipfelkreuz hinauf. Aber hier ist es mir definitiv zu voll, weswegen ich sofort in Richtung Reichenhaller Haus (oder Staufenhaus) weitergehe und es mir etwas oberhalb gemütlich mache. Aus der Entfernung beobachte ich das bunte Treiben aus der Vogelperspektive.

Gipfel #2 – Mittelstaufen

Nach ein paar Minuten Pause gehts direkt weiter. Vorbei am Staufenhaus steige ist vorerst auf dem Normalweg richtung Padinger Alm ab. Die Abzweigung zum Mittelstaufen ist ausgeschildert. Das Schild ragt fast in einem 90 Grad Winkel gen Himmel. Und tatsächlich muss man am Einstieg fast senkrecht einen kleinen Vorsprung überwinden. Das Ganze ist Seilversichert, also alles halb so wild. Über große Steinplatten nähere ich mich dem kleinen Bruder des letzten Gipfels. Ich überhole ein paar Kollegen die ebenfalls zum Mittelstaufen unterwegs sind und kurz Zeit später stehe ich auch schon auf dem mit einer üppigen Grasfläche ausgestatteten Plateau. Hier lässt sichs aushalten!

Mittelstaufen

Trotzdem gehts direkt und ohne Umwege weiter. Ich weiß ja was mich jetzt erwartet und will den Abschnitt direkt in Angriff nehmen 🙂

Lasst euch von dem Foto nicht täuschen. Es sieht nicht besonders weit aus, da bin ich ja in einer Stunde drüben… Das ist natürlich alles eine Frage der Geschwindigkeit, klar. Ich hab ohne große (Foto)-Pausen und und in ganz flottem Tempo gut 1h10m bis zum Zwiesel gebraucht. Dieser Abschnitt ist zugleich auch der kräftezehrendste. Einerseits, da es erstmal die mühsam erklommenen Höhenmeter runtergeht, die man sich logischerweise dann wieder erarbeiten muss. Andererseits auch deswegen, da es nicht einfach erst runter und dann wieder rauf geht… Fast kontinuierlich klettere ich 5 meter runter, 3 hoch, 7 runter, 15 hoch. Wer hier nicht noch genug reserven hat, physisch aber auch psychisch (man neigt Phasenweise dazu den Berg zu verfluchen), wird eine harte Zeit haben 🙂
Genug der Jammerei – schließlich wird man für die Strapazen fortlaufend mit einem wunderbaren Panorama und feinsten (wenn auch nur bedingt lauffähigen) Trails belohnt!

Kurz vor den Zwiesel passiert man noch den Zenokopf, einen kleinen vorgelagerten Gipfel des Zwiesel.

Gipfel #3 – Zwiesel

Auf der Uhr stehen mittlerweile etwas mehr als 3 Stunden als ich den Zwiesel erreiche. Hier oben gehts schon wesentlich entspannter als auf dem großen Bruder zu. Apropos großer Bruder: So mancher wird nicht wissen, dass der Zwiesel höher ist als der namensgebende Nachbargipfel. Mit 1781,6 m über dem Nullpunkt ist der Zwiesel enorme 10 Meter höher als der Staufen 🙂
Nach der ganzen Anstrengung die hinter mir liegt gönne ich mir am Gipfel eine längere Pause und genieße den oder die Momente 🙂

Kollege Vogel begutachtet die Lage

Schon während meinem Sonnenbad freue ich mich auf die kommende Etappe! Der kleine Sprung rüber zum Gamsknogel ist fast sowas wie das inoffizielle Highlight dieser Tour.
Die knapp 20 Minuten vergehen leider viel zu schnell. Ein super Trail mit vielen netten Details auf 1700 metern Höhe hat schon was.

Vom Gamsknogel aus gehts dann auf die Zielgerade. Über die Westflanke gehts hinab zu den Kohler Almen. Der Abstieg ist nicht besonders schwierig, allerdings habe ich zu diesem Zeitpunkt schon 14 Kilometer in den Beinen. Vorsicht ist also geboten, ich will schließlich heil ankommen. Nach 15 Minuten bin ich bei den Kohler Almen und steige sofort weiter ab in Richtung Inzell. Der Weg ist gut ausgeschildert und heute auch nicht wirklich frequentiert. Ich kann also nochmal alles rausholen und komme schlussendlich nach 4h19m wieder am Ausgangspunkt in Adlgaß an – ausgepowert, happy und mit vielen Fotos im Gepäck 🙂

Fazit: Die Staufenüberschreitung ist eine zurecht bekannte und lohnenswerte Tour, die einem teilweise viel abverlangt – aber eben auch viel hergibt.

 

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