Trail-Raid 2017

Nach einer langen Odyssee die vorrangig aus Prüfungsvorbereitung und meiner Unfähigkeit einen Fuß über eine Wurzel zu heben bestand wurde es langsam allerhöchste Eisenbahn wieder aufs Pferd zu steigen. Nach meiner verhältnismäßig guten Leistung beim Salzburger Halbmarathon war ich mir sicher: Knie hält, Kondition ausbaufähig, Traildrang immens!

Da kam es ja wie gerufen, dass sich Phillip Reiter, David Wallmann und Steve Auch entschieden haben mal etwas Anderes zu machen. Ich bin selbst erst gut eine Woche vor dem Event darauf aufmerksam geworden und hab mir dann bis 2 Stunden vor Anmeldeschluss Zeit gelassen um mich beim ersten Trail-Raid Event in Bad Reichenhall anzumelden.

Was ist jetzt so besonders an diesem Trail-Raid?! Da es spät ist und ich faul bin zitiere ich ganz frech von der Homepage, zu der ihr übrigens hier kommt: Trail-Raid

„Im Prinzip ist der Trail-Raid ein gemütlicher Gruppenlauf über zwei Tage. Der Spaß und die Gemeinschaft stehen im Vordergrund, aber der Wettkampf kommt trotzdem nicht zu kurz.“

Foto © David Wallmann

Und genauso ungezwungen und lässig und war das Event dann auch. Aber jetzt im Detail:

Um 10 Uhr war der Start angesetzt also bin ich um 09:30 vor Ort und staune nicht schlecht über die legere Art der Veranstalter. Ich bin gerne gut Vorbereitet und heute bin ich es definitiv nicht. Parkplatz Rupertus Therme und eine fast verzweifelte Instagram Nachricht an den Veranstalter (Danke Philipp für die Antwort 😃 ) sollen meine einzigen Infos sein. Ok ok, Asche auf mein Haupt. Auf der Webseite stehen natürlich so gut wie alle Infos die ihr braucht.

Ich komme also an und erkundige mich erstmal wie das mit der Zeitnehmung genau funktioniert. Ihr seht, so ganz hab ich das Konzept des Trail-Raid noch nicht verinnerlicht, schließlich geht’s hier doch vorrangig um den Austausch und das Netzwerken mit Gleichgesinnten. Aber sei‘s drum, das wird schon noch! Die Zeitnehmung erfolgt über eine GPS-fähige Uhr oder, uuuund jetzt kommts: natürlich auch ganz easy mit dem Smartphone und der Strava-App. Ein Strava-Account ist – um in die Wertung zu kommen – obligatorisch. Dieser kann aber in ein paar Minuten kostenlos erstellt werden.

Nice! Ich bin 30 Minuten vor Beginn am Start und fertig ausgerüstet, das war einfach. Nach und nach trudeln die anderen Trailer ein und – obwohl ich eigentlich niemanden kenne – fühlt sich das irgendwie so an, also ob hier die eine oder andere Größe in der Szene in der Menge versteckt ist. Die Atmosphäre ist offen und nicht mal ich kann mich so doof anstellen um niemanden zum Quatschen zu finden. Von einem Wettkampf liegt hier wenig in der Luft – Und genau das ist das etwas andere an diesem feinen Event! Nach einer kurzen Begrüßung und Erläuterung zur Strecke geht es dann endlich los! Trail Raid Tag 2 für viele, Tag 1 für mich.

Blitzstart?! Fehlanzeige. Wie eine gut geölt historische Dampflok setzt sich der Pulk in Bewegung und ich maße mir nicht an nach vorne zu preschen. Ihr seht, ich verstehe langsam wie der Hase läuft 😊 Unser Weg führt uns erstmal geradewegs zur Padinger Alm. Von hier aus geht’s auf dem Normalweg weiter nach oben, ehe wir in den blauen Steig einbiegen. Ich war zwar schon zahlreiche male am Staufen und auch am Zwiesel unterwegs, aber den kannte ich noch nicht. Es geht zwar hier mal runter und dort mal hoch, aber Höhenmeter macht man hier definitiv keine gut. An diesem Tag liegt noch massenhaft teils nasses Laub auf dem Steig, was den recht technischen Trail nicht einfacher macht. Ein offenes Auge und etwas Konzentration lassen mich ohne größere Komplikationen an der Zwieselalm ankommen (phu!)

Blick auf die Zwieselalm, Foto © David Wallmann

Aber verschnaufen is nich! Da ich einen Strava-Aufsteller falsch interpretiert habe bin ich schon voll im Raid-Modus 😉 Als ich kurz oberhalb der Zwieselalm dann den eigentlichen Segmentbeginn erblicke weiß ich zu diesem Zeitpunkt schon, dass mir die Power am Gipfel fehlen wird. Und so ist es auch, zumal das letzte Drittel noch komplett von Schnee bedeckt ist und ich heute noch die Flüche aller Teilnehmer durch den Rupertiwinkel und das Chiemgau hallen höre. Macht nichts, oben angekommen bin ich sichtlich im Arsch. Das erkennt auch das alte Pärchen, das immer ungläubiger dreinblickt als mehr und mehr von diesen Wahnsinnigen den Gipfel erstürmen – manche stürmen stärker, ich stürme eher weniger.  Die Sicht war untertrieben ein Traum. Unfassbar! Sichtweite ca 25 Meter, der Hammer! Aber lange hält es sowieso Niemanden oben. Es ist recht kalt und außerdem besagen Gerüchte an der Zwieselalm gäbe es Futter. Und wo’s Futter gibt bin ich in der Regel nicht weit weg. Der erste Downhill macht dann richtig Spaß. Vergessen sind die gerade durchlebten Qualen und mit einem Lächeln im Gesicht geht’s bergab. Wie versprochen wartet auf der Zwieselalm die Verpflegung – nur für Läufer versteht sich 😉

Typische Läuferverpflegung, Foto © Philipp Reiter

Nachdem alle die Basis für den „Owi“-Teil des Trail-Raids in sich verstaut haben kanns losgehen. Den kompletten „Mulisteig“ geht’s in Höchstgeschwindigkeit runter – natürlich immer vorausschauend, schließlich teilen wir die Trails mit Bergwanderern! Von langsam kann trotzdem keine Rede sein – Ich absolviere das Segment in 9:20. Der spätere Sieger galoppiert hier sogar in 6:03 runter, irre!

Von hier aus folgen wir in eher gemütlichem Tempo dem Normalweg in Richtung Listsee. Die anschließenden gut 100hm Anstieg in Richtung Padinger Alm schlagen gleichermaßen physisch wie auch mental voll zu. Jetzt nur nicht einbrechen, schließlich müssen wir noch „Roasn“! Auf dem Schlusssegment über 1,4 km heißt es nochmal alles mobilisieren was sich ganz hinten im Schrank versteckt hat – was nach den bereits abgeleisteten 20 Kilometern wahrlich nicht mehr viel ist. Komplett ausgepowert geht nun wirklich Licht am Ende des Tunnels auf. Nach 3:23h, 21,7 km und fast 1600 hm ist es geschafft und ich bin megafroh mich so kurzfristig noch angemeldet zu haben! Ich hoffe es wird einen Trail-Raid 2018 geben, oder vielleicht sogar einen Trail-Raid 2017 II?

Man darf gespannt bleiben. Ich kann diese Veranstaltung nur jedem ans Herz legen der sich fürs Trailrunning interessiert. Der Fitnesszustand spielt dabei erstmal eine untergeordnete Rolle! Sicherlich sollte man sich einschätzen können und vielleicht auch nicht zum ersten Mal höher emporsteigen als bei McDonalds am Irschenberg… Wenn man hier einen Haken setzen kann steht der Teilnahme beim nächsten Trail-Raid nichts mehr im Weg!