Hochkönigman – der erste Ultratrail!

Trail Raid, Hochkönigman, Großglockner Ultratrail, Karwendelmarsch. Anfang des Jahres haben sich Lukas und ich mal zusammen an einen Tisch gesetzt, die einschlägigen Webseiten durchforstet und uns einen kleinen „Wettkampfkalender“ zusammengestellt. Ohne Ziele oder ein großes Event am Horizont ist das Alles irgendwie so halbgar. Da waren wir uns einig. Und außerdem haben wir uns 2017 schon am Montafon Totale Trail versucht – und sind am „Projekt Ultratrail“ gescheitert. Nein, das klingt irgendwie zu negativ. Tatsächlich war der Ausflug nach Vorarlberg ein einzigartiges Erlebnis, das sehr viel Spaß gemacht hat und uns mit phänomenalen Eindrücken anschließend in den wohlverdienten Kroatienurlaub entlassen hat. Nur sind wir eben nicht die angepeilten 47 Kilometer gelaufen, sondern haben – wie auch viele andere – auf 33 km verkürzt. Das Streckenprofil des Montafon hat es einfach ziemlich in sich!

Ein Jahr später steht nun Versuch #2 an. Wir haben uns bei der zweiten Auflage des Trail-Raid schon einmal etwas in Maria-Alm und dem Gebiet Hochkönig umgesehen. Und wir waren vom ersten Augenblick an sehr angetan. Der Start/Ziel-Ort ist einfach malerisch gelegen und die Einwohner, die Veranstalter ( allen voran das Hotel Eder ) und die Urlauber sorgen für eine fantastische Atmosphäre. Hier wird das Trailrunning gelebt hat man das Gefühl 🙂

3 Wochen nach dem Trail-Raid, am 2. Juni, sollte die Party steigen. Die ganze Woche haben wir natürlich aufmerksam den Wetterbericht verfolgt. Die vergangenen Wochen war das Wetter ja nicht sonderlich stabil… Am Freitagabend sah die Vorhersage so aus: In der Nacht soll es regnen, gegen Morgen sollte aber nichts mehr vom Himmel fallen. Am Nachmittag ist mit lokalen Gewittern oder Regenfällen zu rechnen. Das ist für die Kollegen im Endurance Trail ( Start Samstag 2. Juni – 0 Uhr ) nicht so erfreulich, aber für uns hörte sich das eigentlich ganz gut an.

Auf nach Maria Alm

Die Zuversicht lies schlagartig nach, als ich um 3 Uhr von Donnergrollen aus dem Schlaf gerissen werden. Und es pisst wie aus Eimern. Als um 5 Uhr der Wecker klingelt hat sich nichts geändert. Halb 6 stehe ich vor Lukas Haus, es gießt nach wie vor. Verständlicherweise ist die Motivation gerade nicht so hoch. Nicht, dass wir aus Zucker wären – aber bei diesen Verhältnissen steht das ganze Event auf der Kippe. Wir müssen bis nach Lofer fahren, als es langsam leichter wird und in Maria Alm angekommen hat es tatsächlich aufgehört zu regnen! Yes!

Wir holen uns unsere Startnummer und das Startersackerl im Hotel Niederreiter.

Gleich im Anschluss gibts noch das Rennbriefing und 15 Minuten vor dem Start betreten wir den Startbereich. Ausrüstungscheck auch überstanden. Wir stehen in den Startlöchern! Um Punkt 8 Uhr gehts dann auf die Strecke. Vor uns liegen circa 47 Kilometer und 2700 Höhemeter.

Das Teilnehmerfeld aus exakt 343 Teilnehmern setzt sich in Bewegung. Wie eigentlich jedes mal stelle ich fest – wir haben uns zu weit hinten eingereiht. Auch wenns zu Beginn noch auf einer breiten Forststraße in Richtung Natrun geht wird der Weg doch eng bei so vielen Teilnehmern. In bester Slalommanier schieben wir uns Stück für Stück nach vorne. Beim ersten Peak in Natrun entzerrt sich das Feld dann ganz langsam. Die ersten nennenswerten Höhenmeter sind gesammelt, da gehts auch schon wieder bergab. Vorbei an der Jufenalm schlängeln sich die Läufer über grüne Wiesen und zahlreiche Überstiege hinab zur Höchkönigstraße, an der wir auf einem Forstweg parallel nach Hinterthal gelangen. Endlich, Frühstück! Banane, Waffeln, Erdbeeren in Form von Plombenziager-Gummibären stehen auf dem Speiseplan – sehr nahrhaft 😉

Peak #2

Frisch gestärkt stellen wir uns der nächsten Herausforderung. Weg von der Straße biegen wir auf einen breiten Forstweg ein, der uns in dieser Form tatsächlich die ersten Körner kosten wird. Nicht schwierig, dafür aber relativ lange und auch mit stattlicher Steigung schnauben wir uns gen Filzkopf hinauf. Da die Arme noch frisch sind und die Gegebenheiten des breiten Wegs es zulassen kann ich hier wirklich viel mit den Armen arbeiten. Ich verstehe die Kollegen nicht, die ihre Stöcke am Rucksack den Berg rauftragen.

Nun gut, dann überholen wir euch eben alle 😀 „Oben“ angekommen können wir uns auch schon wieder auf den Downhill einstellen. Und da kommt Freude auf. Über eine Pferdekoppel gehts auf einen schmalen Singletrail. Erst über ausgespülte Rinnen, dann über Bretter die den sumpfigen Untergrund überbrücken. Hier lässt sichs richtig gut segeln. Als wir den Wald verlassen können wir schon deutlich furioses Getrommel vernehmen. Die letzten Meter des Abstiegs nach Dienten ( Aussprache: Deandn !!! – hab ich mir sagen lassen) sind wirklich ein wenig magisch 🙂 Direkt neben der Trommelgang, die einen ohrenbetäubenden Sound produzieren, stärken wir uns (schon wieder?!), bevor uns der heute längste Hatscher erwartet.

Kilometer 18 – 27

Wir machen uns auf den Weg zum Hochkasern. Vor uns liegen 9 Kilometer und über 1000 Höhenmeter. Auf der Hälfte der Strecke sollen wir nochmal Wasserkanister vorfinden, ansonsten wirds ab hier etwas einsamer. Aber auch alpiner, höher, schöner, besser! Die Arme sind schon nicht mehr so fit wie zu Beginn, aber trotzdem helfen sie noch tatkräftig mit. Das müssen sie auch, denn nach 18k kann ich leider nicht mehr behaupten aus dem Vollen Schöpfen zu können. Der Trail wechselt zwischen breiten Wegen und schmalen Singletrails. Er bleibt aber immer einfach und teilweise auch laufbar. Ab Kilometer 23, ungefähr beim Grinnköpfl, ist es dann endgültig vorbei mit dem breiten Forstweg. Der eingewachsene Singletrail, der nun als Untergrund zur Verfügung steht macht einfach nur Spaß.

Wie auf dem Foto gut zu erkennen ist hatten wir das Glück in einer wirklich atemberaubenden Kulisse unterwegs zu sein. Wir sind die meiste Zeit auf dem Kamm oder nur minimal davon entfernt unterwegs. Rechts türmt sich eine Wolkenwand auf, die aber wie von Zauberhand nicht ins linke Tal überschwappt – einfach ein irres Schauspiel! Über die Marbachhöhe und den Klingspitz erreichen wir den Hochkasern (2017 Meter). Eine pikante Anmerkung: Mit meiner anscheinend unzureichenden Vorbereitung bin ich in der Annahme, dass der erste der 3 großen Peaks im Höhenprofil das Statzerhaus ist. Entsprechend perplex bin als ich feststelle, dass es von hier nochmal 4 Kilometer und 200 Höhenmeter runter und natürlich wieder hoch sind, haha. Lesen hilft.

Auf dem Weg zum Statzerhaus kommt dann in unserer Gruppe kurz mal ein leichter Zweifel auf, ob wir denn noch auf dem richtigen Weg sind, da wir für einige Zeit keine Markierung entdecken können. Ich vermute hier aber eher eine partielle Blindheit als eine schlechte Streckenmarkierung, denn der Trail ist ansonsten außerordentlich gut markiert!

So langsam wirds nun wirklich kräfteraubend. 30 Kilometer zeigt mir mein treuer Begleiter in Form der fenix 2 an.

Nach etwa 4 1/2 Stunden erreichen wir den Hundstein / das Statzerhaus! Ab hier kennen wir die Strecke noch vom Trail Raid, was die verbleibenden Kilometer aber um keinen Deut einfacher machen wird.
Wir füllen nochmals die Speicher auf bevor es dann über den Schönwieskopf zur Schwalbenwand rüber geht.

Von der Schwalbenwand bis zum Hundstein ist es einfach nur grandios

Auf dem Foto kann man das Höhenprofil recht schön sehen. Vom Statzerhaus gehts erstmal wieder einige Meter nach unten. Unterhalb des Ochsenkopf gehts gänzlich flach auf einem halbkreisförmigen Trail, der mir eine Gänsehaut verleiht. Es fühlt sich an, also würde man auf dem obersten Rang eines von der Natur geschaffenen Amphitheaters laufen.

Der zeitweise schmale Singletrail macht richtig Spaß und bei der wenn überhaupt vorhanden moderaten Steigung komme ich tatsächlich nochmal ins Rollen. Jetzt bins eher ich, der in unserem Zweiergespann das Tempo macht – was wahrlich nicht immer so war heute 🙂
Sobald sich das Gelände zum Schönwieskopf hin wieder aufsteilt rollt hier garnichts mehr. Die folgenden 4 Kilometer über den Kamm arten schnell in etwas aus, wozu mir jetzt nur ein Ausdruck in den Sinn kommt: a sauberne Schinderei. Allerdings ist dieser Streckenabschnitt zugleich der landschaftlich beeindruckendste und der Trail ist wunderbar. Das tröstet einen über die kleinen Zwickerl und Wehwehchen hinweg, die sich allmählich bemerkbar machen.

Nach guten Fünfeinhalb Stunden torkeln wir am Gipfel der Schwalbenwand vorbei. 37 Kilometer und 2700 Höhenmeter liegen jetzt hinter uns. Und im Aufstieg wars das jetzt tatsächlich, wirklich, schwöre!
Aber wer so hoch empor steigt muss auch mal wieder runterkommen. Und davor hab ich jetzt gerade etwas Bammel. Beim letztjährigen Montafon Totale Trail hat mir der lange und steile Abstieg nämlich den Garaus gemacht. Das Knie war damals noch nicht wieder 100 % fit. Wir werden sehen, wie es dieses Jahr lief….

Los gehts auf das letzte Stück des Hochkönigman. 9 Kilometer und 1200 Höhenmeter abwärts müssen wir noch abreißen. Mit höchster Konzentration tippeln wir uns Schritt für Schritt nach unten. Dass wir den Heimweg jetzt bereits kennen ist eigentlich ganz gut. Wir wissen genau wann wir etwas langsamer machen können und wo es sich lohnt nochmal alles rauszuholen. Bei der letzten Verpflegungsstation wandern dann auch unsere Stöcke an den Rucksack. Mit freien Händen auf den letzten Metern können wir nochmal richtig Fahrt aufnehmen – zumindest fühlt es sich schnell an 😉

Als wir aus einem kleinen Waldstück ins freie laufen und ich die Kirche von Maria Alm in der ferne erspähe zauberts mir ein breites Grinsen aufs Gesicht. Fast geschafft! Über den Schattberg gehts runter nach Maria Alm … Die letzten Meter! Wir überqueren die Brücke am Ortseingang und laufen ins Zentrum von Maria Alm. Alle Passanten und die zahlreichen Besucher der Restaurants feuern einen hier an – das ist wirklich ganz groß. Man merkt hier in Maria Alm, dass dieser Sport immer größer wird. Beflügelt von dem ganzen Beifall und einem ordentlichen Schuss Endorphinen fliegen wir die letzten Meter ins Ziel.

Nach 6:33:19 ist es vollbracht. Wir haben unseren ersten Ultratrail erfolgreich gemeistert! YES

Bewaffnet mit alkoholfreiem Weißbier, Keksen und einer Orange können wir unseren geschundenen Beinen in einem Abklingbecken (Pool) zur Abwechslung mal etwas Gutes tun. Im Zielbereich sehen wir viele glückliche aber auch einfach nur komplett erschöpfte Gesichter. Die Sportler aus dem Endurance Trail kommen allmählich auch immer zahlreicher ins Ziel. Ich möchte gerade nicht tauschen, ich bin mit meinem Erfolg aktuell mehr als zufrieden 😀

Das war er also, der Hochkönigman 2018! Ein rundum perfekt organisiertes Event in einer wirklich wunderschönen Umgebung. Das macht Lust auf mehr! 😉

 

One Reply to “Hochkönigman – der erste Ultratrail!”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.