Ein Abenteuer im Spätsommer

Anfang September, 2 Wochen Urlaub und nach etlichen Litern Regen in den letzten Tagen sollte sich am Montag endlich wieder die Sonne zeigen. Nice, also sofort vor den Rechner und in Karten und Foren gestöbert. So richtig wollte mich aber nichts ansprechen und so entschied ich mich das Heft einfach mal wieder in die eigene Hand zu nehmen. Meine Wahl sollte auf das Gebiet um den Hochfelln fallen. Im April war ich schonmal über die Thorau Almen auf den Hochfelln gegangen – jetzt wollte ich nicht rechts, sondern links abbiegen und diese Gipfel abklappern. Gesagt, getan. Auf Deine Berge kurz ein paar sog. POIs (Point of Interest) verbunden und Schwupps errechnet dir die Webseite eine Route. Erlebnisgarantie inklusive, wie ich schon einmal feststellen musste und es sollte heute nicht anders sein.

Der Rucksack ist diesmal erstaunlich leicht:

  • 1 Liter Wasser in der Saufblodda
  • Rettungsdecke
  • Erste Hilfe Set
  • Handy

Meine beiden Kameras tummeln sich aktuell in Südafrika, muss also das Huawei P9 zeigen wie man seine Fotos weiterverwenden kann.

Eines nehme ich Vorweg: Die Route über die Thoraualm zum Weißgrabenkopf ist nicht mehr zu empfehlen, lieber gleich über die Nesslauer Alm aufsteigen.

Um halb 8 starte ich nach Ruhpolding, biege in Richtung Brand ab und parke auf dem Wanderparkplatz bei der Glockenschmiede. Punkt 8 Uhr gehts die ersten Meter an der besagten Glockenschmiede vorbei auf einer Forststraße entlang. Die zieht sich ziemlich… Das nächste Mal werde ich mich links halten, denn irgendwo zweigt einer kleiner Weg ab der etwas unterhalb aber parallel zur Forststraße verläuft und schlussendlich aufs Gleiche rausläuft. Ein Gutes hat der etwas monotone, gut 25 minütige Aufstieg – ich bin richtig warm und kann sogar ab und an noch ein paar Intervalle einbauen.
Die Forststraße hinter mir und die Thoraualmen in greifbarer Nähe zeigt sich der September hier von der schönsten Seite. Es ist nichts mehr von der morgendlichen Kälte zu spüren, ich muss sogar das lange Top ausziehen. Vorbei an der wunderbaren Almkulisse auf dem Weg zum ersten Gipfel dreh ich mich nochmal kurz um…


Frohen Mutes gehts in steilen Serpentinen weiter nach oben, bis ich an der Weggabelung vom letzten Mal ankomme. Rechts, das sagen mir DAV-Schilder und mein Nudelsieb-Hirn, gehts in Richtung Hochfelln. Heute aber solls ja auf zu neuen Ufern gehen und deshalb links rum. Die ersten Meter erwartet mich ein sehr schmaler und ständig abhängender Trampelpfad. Ich denke mir noch nicht sonderlich viel dabei und kurz darauf wird das Gelände auch etwas lauffreudiger. Nur damit es Sekunden später eine Vollbremsung macht und mich erstmal an meinen Fähigkeiten das Internet zu bedienen zweifeln lässt. Ich stehe vor einem weiteren DAV-Schilderwäldchen, alles ist angeschrieben, wirklich alles. Aber der ominöse Weißgrabenkopf scheint von hier nicht erreichbar zu sein. Nun denn, ich weiß was ich gesehen habe und ich habe auf der Karte hier irgendwo eine feine graue Linie gesehen die einen Weg vermuten lässt. In bester Bilbo-Manier werde ich wohl auf Abenteuer gehen müssen!

Schon auf den ersten Metern des Pfades, den ich mich entschiede habe zu beschreiten wird mir klar – das wird ungemütlich. Zwar lässt sich zwischen all den Latschen noch ein Weg erkennen, ein bequemer Aufstieg aber sieht anders aus. Sämtliches Grünzeug wuchert und wächst von 13 verschiedenen Seiten in den Weg. Noch dazu ist alles mit Tau bedeckt, ich bin nach kurzer Zeit einfach nur noch nass und es juckt erstmal. Als ich die Latschen hinter mir gelassen habe fällt mein Blick auf eine große Gruppe von Gämsen, locker 6-8 Tiere. Majestätisch und geschickt hüpfen sie mit einer Leichtigkeit das felsige Gelände hoch. Bevor die Bewunderung in Neid umschlägt mache ich mich wieder auf den Weg – oder versuche es zumindest. Plötzlich hänge ich in steilem Gelände auf allen Vieren an der Wand dran, unter mir nur loses Schotterzeugs und hier und da mal ein halb angewachsenes Grasbüschel. Mich beschleicht die Vermutung, ich könnte falsch sein und realisiere erst jetzt wo ich mich befinde. Weiße Steine/Sand, ein Graben, da oben ein unüberwindbarer ca 6 Meter hoher Felsvorsprung. Weiß … Graben … Kopf? Aaah 😉 Weiter auf allen Vieren und seit gefühlten 10 Minuten jeden Muskel meines Körpers angespannt komme ich zurück auf den richtigen Weg (sollte doch jemand mal hier landen – haltet euch nach den Latschen immer rechts nahe des Grates). Von hier aus ist es nicht mehr weit und ich habe die erste Prüfung für heute bestanden!

Blick vom Weißgrabenkopf auf den Hochfelln und die Thoraualmen im Tal

Imposantes Gipfelkreuz

Hier bleib ich erstmal die nächsten 10 Minuten, genieße die Aussicht und schreibe in das Gipfelbuch (was ich sonst eigentlich nie mache). Ein paar Meter weiter gelingt mir dann noch dieses hübsche Foto

jetzt aber weiter, ich hab schließlich noch ein paar Gipfel auf der Liste. Ab hier, so meine Vermutung sollte es ja einen besseren Pfad geben, irgendwie müssen die Leute ja schließlich hier raufkommen und ich bezweifle, dass die alle denselben Weg wie ich beschreiten. Wie blauäugig von mir. Vielleicht 50 Meter nachdem ich mit vollem Elan in die Etappe gestartet bin irre ich im Wald umher und suche nach etwas, das einem Weg ähnlich sieht. Als ich etwas finde wird mir klar: Erwartungen zurückschrauben: Umgestürzte Bäume oder einfach verwachsene Pfade werden durch neue ausgetretene Minischneisen ersetzt, hier und da mal ein blauer Farbklecks, mehr ist nicht drin. Aber so schlimm ist es auch wieder nicht, schlussendlich komme ich gut voran – nach wie vor durch hüfthohes Gestrüpp jeder Art, farbe und Juckcharakteristik.
Der Weg zum Gröhrkopf gibt dann plötzlich eine andere Flora preis.

 

Auch hier gibts eine kurze Pause und während ich meinen Blick so schweifen lasse drängt sich mir und wahrscheinlich jedem der dort oben steht eine Frage auf: „Was ist eigentlich hinter diesem dicken Brocken da vorne?“ Aufgrund der zurückliegenden Strecke wollte ich eigentlich nach diesem Gipfel Schluss machen. Aber der wollte mir dann doch nicht mehr aus dem Kopf gehen. Also ging das Abenteuer weiter. Verhältnismäßig einfach und vor allem schnell ist man zu meiner Freude dort drüben. Gerade mal 15 Minuten später stehe ich auf der Haaralmschneid und kann nur jedem Raten das zu investieren. An diesem Tag sieht man extem weit und die Aussicht ist einfach nur gigantisch!

Beste Sicht! In der Ferne haben alle schon weiße Hüte auf, wie unpässlich!

Auch hier gibts einen Eintrag ins GB des Berges und ich erspähe einen Eintrag von den Sennerinnen der Nesslauer Alm, Eva & Vreni. Sie sagen man soll bei Ihnen auf der Alm vorbeischauen. Wie könnte ich da ablehnen? Aber vorher gibts noch einen, nein sogar zwei kleine Abstecher. Einmal gehts die Haaralmschneid noch etwas weit vor, da steht ein prominenter Hügel und der musste noch sein aber nicht der Rede wert. Anschließend gehts wieder zurück zum Gröhrkopf und kurz unterhalb biege ich diesmal in Richtung Nesslauer Alm ab. Der Weißgrabenkopf und seine Wege haben mir heute schon genug abverlangt. Nach circa 10 Minuten abstieg auf technisch anspruchsvollem aber schön zu laufendem Trail eröffnet sich mir eine Weggabelung. Und Boy, bin ich froh hier nicht gleich abgestiegen zu sein. Links geht weg zur Nesslauer Schneid, rechts gehts direkt zur Nesslauer Alm. Also ab nach links, ein cooler Trail erwartet mich und es macht richtig Spaß hier nach vorne zu fliegen. Einmal durch eine etwas beengte Felsspalte geschlüpft und weiter gehts. Nach wenigen Minuten erreicht man das Ende und wow, was sich einem hier Anschickt ist von der allerfeinsten Sorte. Ein freistehender Felsbrocken mit großem Kreuz und einer 1A Sitzgelegenheit. Aber seht selbst:

Auch der Ausblick auf die Haaralmschneid, auf der ich vor 45 Minuten noch stand ist gigantisch

Hier nochmal ein paar Minütchen gechillt, ehe sich mein Bauch bemerkbar macht. Er verlangt nach Kaffee und Kuchen. Und wer wäre ich ihm diesen Wunsch zu verwehren.
Also gehts nun endgültig ab Richtung Nesslauer Alm. Der Abstieg ist nicht sonderlich lange oder schwierig.
Ich studiere die Karte und meine Wahl fällt auf ein Stück Käsekuchen. 100 Punkte!

Preis für beides: 5,60 da kannste nicht meckern

Von der Nesslauer Alm gehts dann auf der Forststraße wieder hinunter nach Brand und von dort auf einem Wanderweg zur Glockenschmiede zurück.

 

Fazit: Ja das hatte wirklich das Prädikat Abenteuer verdient. Besser kann man den ersten freien Urlaubstag nicht beginnen. Vor Allem die Nesslauer Schneid ist schnell erreicht und taugt auch als Feierabendtour.
Solid 5/7

Montafon Totale Trail 2017

Schon letztes Jahr wollten Lukas und ich bei einem Trailrunning Wettbewerb mitmachen. Wir waren sogar beim Zugspitz Ultra Trail für den Supertrail XL angemeldet. Leider haben uns andere sportliche Verpflichtungen von der Teilnahme abgehalten – die Relegation ging schlicht vor! Dieses Jahr haben wirs wieder probiert und diesmal hats geklappt. Die Wahl fiel auf den Montafon Totale Trail. Ein Freund hat uns vom ersten Totale Trail 2016 nur gutes berichtet und die 55 € Startgebühr liegen auch deutlich unter der des ZUT. Bei der Anmeldung und auch im Verlauf des Events kann man der Silvretta Montafon GmbH schon mal Vorschusslorbeeren geben – ein wirklich rundum gut organisiertes Event! Aber jetzt steigen wir mal richtig ein:

Am Freitag Nachmittag rollt der Trailtransport bei mir in die Einfahrt. Ein großer Dank geht hier an unseren Heimatverein – TSV Teisendorf – der uns den Mannschaftsbus zur Verfügung gestellt hat. Die hinteren Sitzbänke raus, zwei Matratzen rein und fertig ist das Schlafmobil. Die Koffer waren natürlich schon gepackt. Bewaffnet mit

  • allem was mein Sportbekleidung-Schrank so hergibt
  • Studentenfutter
  • Wasser
  • Leodecke
  • Kissen
  • und einer Mischung aus Motivation, Vorfreude und Angst

geht’s um 14 Uhr ins 300 km entfernte Schruns bei Tschagguns ins vorarlberger Montafongebirge.

Die Fahrt gestaltet sich recht easy, lediglich der Vorarlbergtunnel ist gesperrt und so geht’s über den Paß. Landschaftlich gewaltig, verkehrstechnisch katastrophal. Der Ausflug kostet uns trotzdem nur gut 30 Minuten, kein Beinbruch also.

Nach einer kurzen Orientierungsphase im beschaulichen Schruns finden wir raltiv schnell einen „geeigneten“ Parkplatz. Geplant war natürlich nichts, wo wäre denn da das Abenteuer 😉 Um kurz vor 18 Uhr schaffen wirs in Haus des Gastes. Dort gibt’s die Startersackerl – wie gesagt alles gut organisiert und höflich obendrein. Das Startersackerl ist übersichtlich gehalten:

  • Startnummer mit Chip
  • Montafon Totale Trail – Shirt
  • Pasta-Party Gutschein
  • Versettla-Tahlfahrt Gutschein
  • Duschgel und ein paar Infoblätter

Mit dem Pasta-Party Gutschein im Gepäck starten wir gleich zum Kirchplatz von Schruns. Dort gibt’s ein umfangreiches Rahmenprogramm. Ein Staffellauf um die schöne Kirche von Schruns, eine Bühne mit Liveband und natürlich – Nudeln! Die sehen zwar … naja – bemüht aus, schmecken aber wider Erwarten doch ganz passabel.

Wir schauen noch beim Staffellauf vorbei und vertreten uns die Beine noch ein bisschen im Ort. Dann geht’s aber auch schon wieder zurück zum Bus, wir wollen ja schließlich fit sein für den großen Tag.

Um halb 7 klingelt der Wecker, kurz frisch gemacht und nochmal die Ausrüstung gecheckt. Mit auf die große Reise gehen:

  • Meine Schühchen La Sportiva Bushido
  • Salomon S-Lab Calfes
  • Salomon S-Lab Twinskin Short
  • Nike T-Shirt
  • Leki Stöcke
  • Fenix 2 plus HR-Gurt
  • Dynafit Enduro 12
  • Hilfe Set
  • Longsleeve
  • Tube
  • Yi 4k Actioncam
  • Smartphone
  • 2 Seitenbacher Riegel
  • Capri-Sonne Trinkbecher

Los gehts zum Ursprungsort des drohenden „Unheils“ 🙂

Um 7:45 gibts dann nochmal Input vom Rennleiter und Streckendesigner Daniel Fritz: Stvo beachten, nicht abkürzen, keine Kühe umschubsen – das Übliche.
Und ganz wichtig: Das Rennen startet mit dem 1. Acht Uhr Glockenschlag der Kirche, cool 🙂

Wenige Minuten später ist es so weit und es geht los! Vor uns liegen hier noch 47 Kilometer und 4200 Höhenmeter. Hier das Streckenprofil für die, dies genau wissen wollen.

Die ersten Meter sind noch zum Einlaufen, das Feld will sich hier noch nicht sonderlich strecken und so geht’s relativ gedrungen, zumindest anfänglich, den Anstieg Richtung Hochjoch rauf. Wie bei jeder Laufveranstaltung üblich ist jeder motiviert, ausgeruht und läuft tendenziell über seinen Verhältnissen. So hat es sich auch hier angefühlt. Mit sehr knackigem Tempo geht’s zur ersten Labestation Lifinar hoch.

Nach einer sehr kurzen Stärkung steigen wir sofort weiter steil hinauf, das Feld lichtet sich mittlerweile etwas. Unterhalb vom Hochjoch, bei der zweiten Labestation auf Kapell eröffnet mir dann ein Blick auf meine Uhr, wie anstrengend dieser Uphill bis jetzt war. 1500 verbrauchte kcal nach etwas über 1:40 h, crazy. Ich sorge schonmal vor und bediene mich bei Bananen, Nüssen, Salzstangen und reichlich Isogetränken. Weiter geht’s. Im Winter schwingen hier abertausende Skifahrer vom Berg hinunter, heute laufen hier gut 200 Starter zu Fuß rauf.

Mit zunehmender Höhe werden die Trails zunehmend schwieriger und hier und da muss man zur Sicherheit auch mal mit den Händen nachhelfen. Trotzdem bin ich positiv überrascht wie breit und laufbar die Trails hier jenseits der 2000 Meter sind. Nach 2h23m sind wir dann am ersten Gipfel, dem Hochjoch! Aber das ist schließlich ein Wettkampf und so winken wir dem Kreuz nur im Vorbeilaufen zu und schon geht’s bei gewaltigem Panorama einmal um den Berg hinunter zum Grasjoch. Auf dieser Strecke irgendwo jenseits von 2000 Metern ist einfach nur alles gewaltig. Genau für diese Momente betreibt man diesen Sport. Es gibt wenig Gefühle die an das hier herankommen. Hier ein paar Eindrücke:

An der Labestation des Grasjoch füllen wir unsere Speicher nochmal für die kommende Challenge auf. Gut 1000 Höhenmeter, wie wir feststellen werden, steilstes Downhill liegen vor uns. Im Nachhinein vielleicht ein Knackpunkt, da das natürlich die Knie immens belastet und mein kürzlich operiertes Knie das nicht so lustig fand. Aber wer hoch hinaus will muss auch wieder runterlaufen. Aber zuerst mal geht’s noch einmal um das halbe Nachbargebirge herum, erst dann beginnt der Abstieg ins Valisera Tal.

Gut eine Stunde vergehen, bis wir unten ankommen.# Nach diesen Strapazen für Muskeln, Gelenke und vor allem den Kopf (Lukas musste einmal Notlanden – ging zum Glück glimpflich aus, ich bin ohne Sturz runtergekommen) wartet im Tal eine fett ausgestattete Labestation, yeah! Und: Es ist noch Suppe da! 😀 Es gibt wie üblich alles Kreuz und quer: Schokolade, Orange, Banane, Salzstangen und Suppenbrühe.
Trotz der aufgenommenen Kalorien hat das Gebirge schon deutliche Spuren hinterlassen. Der erneute Aufsteig nach Garfrescha fällt schon nichtmehr sonderlich dynamisch aus. Manchen mag das nicht wundern, schließlich liegen schon 26 km und 2000 hm hinter uns, ich bin im Angesicht der noch vor uns liegenden Strecke sagen wir mal ernüchtert. Trotzdem gehen wir unser Tempo noch das erste Stück. Irgendwann auf einem etwas flacheren Streckenabschnitt fällt dann zumindest meine Entscheidung. Die Kniescheibe macht irgendwie grade nicht das was sie soll. Lukas ist da schon 30 Meter voraus, den könnte ich sowieso schon nicht mehr halten.

Nach einer kurzen Andachtspause im Schatten hab ich meine 7 Sachen zumindest soweit zusammen, dass es anschließend wieder weitergehen kann. Um kurz nach 1 Uhr erreiche ich die Labestation Garfrescha – bis hierher warens nochmal circa 800 Höhenmeter von der Talstation. Hier kann man höchstoffiziell vom Ultra (47 km) auf den Trail (32 km) umsteigen. Nach einer kurzen Beratschlagung entscheidet sich auch Lukas mit mir auf die 32 km zu gehen. Und wir waren längst nicht die Einzigen… In Garfrescha stehen gut 30 Kilometer auf der Uhr, noch einmal 17 Kilometer und über 1000 Höhenmeter wären – für mich unverantwortlich mir selbst gegenüber – und ohnehin an diesem Tag wahrscheinlich nicht machbar gewesen. Wir geben als den Organisatoren Bescheid, dass wir wechseln und starten von Garfrescha direkt zur Nova Stoba. Eine der größten bewirtschafteten Almen in den Alpen. „Nur 3,5 Kilometer, do isch ma glei drübe“ hallen die Worte eines Mitglieds der Verpflegungsstation immer wieder in meinem Kopf umher. So weit kanns dann ja nicht mehr sein. Aber der Weg wollte nicht enden. Jeder Meter nach oben ist ein Kraftakt, ein hadern mit mir selbst. Relativ bald „sprintet“ Lukas wie von der Tarantel gestochen auf und davon, mir bleibt nur den Staub zu fressen ^^

Aber ich bleib nicht allein. Als ich den Kollegen hinter mir vorbeiziehen lassen will, will der gar nicht. Lieber motiviert er mich auf den „letzten“ Metern und wir kommen ins Gespräch. Uwe, mehrere 100er und ein paar Trans-Alpine schwer, unterhalten uns auf dem Schlussstück ganz gut und so gerät auch die Erschöpfung etwas ins Hintertreffen, super!

Noch gut 1 Kilometer sind es und hier wird’s nochmal richtig schön zu laufen. Mein Laufstil gleicht hier zwar eher einem Rentner auf Ecstasy, aber das sieht hier ja zum Glück niemand 😉
Das Ende ist Nah, in mehrerlei Hinsicht… Ich würde jetzt gerne schreiben, dass der Zieleinlauf auf der Nova Stoba magisch, einprägsam oder ultimativ war. Das wäre aber nicht die Wahrheit. Ich war einfach nur verdammt nochmal froh jetzt am Ziel zu sein! Der Körper total entkräftet, der Geist leer aber der Erfahrungsschatz – der ist immens gestiegen. Und ganz so emotionslos war es 10 Minuten später auch nicht mehr. Nach dem obligatorischen alkoholfreien Weißbier, Schoki und wieder bei Atem macht sich ein Gefühl der Genugtuung breit wie selten. Der Ausblick auf die Nova Stoba einschließenden Berge tut sein Übriges!

Lukas kommt nach 6h14m ins Ziel, ich brauche 6h28. Beide haben um die 34 Kilometer und 3100 Höhenmeter hinter uns. Wir lassens uns noch bei einem Wilderer Burger gut gehen und fahren dann zügig wieder mit der Versettla Bahn ins Tal und anschließend auch gleich nach Hause.

Fazit: Ein Top organisiertes Event, eine überwältigende Strecke und ein richtig fettes Erlebnis!

 

Die Kampenwand mal anders. Anders gut!

Eines der berühmtesten Chiemgauer Aushängeschilder in Sachen Berge ist unumstritten die Kampenwand. Die kennen sogar solche, die sich nur ab und an auf der A8 rumschlagen und mal den Blick schweifen lassen. Die markante Silhouette springt einem sofort ins Auge. Damit sich manche nicht den ganzen Beitrag fragen wie das Teil denn jetzt aussieht lüften wir das „Geheimnis“ mal:

Kampenwand von der Steinlingalm aus

Der Normalweg von Aschau aus reizt mich allerdings wenig. Ich habe schon ein paar Stimmen gehört die den Aufstieg bei schönem Wetter einem Almauftrieb gleichsetzen. Und wer so nicht hochkommt, für den gibt es die Kampenwandbahn. Ich hab also nach Alternativen gesucht, schließlich gibt es auf (fast) jeden Berg mehr als einen Weg. Und so leg ich mir eine Route zurecht, die mich von Schleching (Parkplatz Mühlau) aus erst in Richtung Hochplatte und später auf den Ostgipfel der Kampenwand führen wird.

Ich starte am Montag, so sollte sich der Gipfelrummel in Grenzen halten. Noch dazu, da ich erst nach der Arbeit starte und um 16:30 Uhr vom Parkplatz in Mühlau wegkomme. Die mega langen Tage und das Topwetter aber machens möglich.
Nochmal kurz den Rucksack gecheckt:

  • 1,5 Liter Wasser in der „Saufblodda“
  • Kamera 1
  • Kamera 2
  • Telefon
  • Seitenbacher Energiebombe
  • Rettungsdecke
  • Erste-Hilfe-Set

Nur noch 2 Liter Sonnencreme auf mir verteilen, dann kanns losgehen.

Die Tour startet mit einem kurzen Stück Teerstraße hinauf zu einem Bauernhof. Einmal mitten durch zweigt am Ende ein kleiner ausgeschilderter Weg in den Wald hinein. Nach einem kurzen Anstieg stoße ich auf eine Forststraße, gehe 10 Meter nach rechts und folge der Beschilderung „Hochplatte“. Nach kurzer Zeit stelle ich fest, ich bin richtig! Ok, war nicht schwer, aber den Stefan Gnadlweg habe ich auch im Internet schon mehrmals gelesen.

Eindeutig Stefan Gnadl sei Weg

Der Weg endet auf dem ersten Plateau bei der Oberauerbrunstalm. Hier muss ich das erste mal länger Inne halten, den Moment genießen und natürlich auch ein paar davon auf die Speicherkarte bannen.

 

Nachdem ich den Kühen beim Grasen zugesehen hab und dafür skeptische Blicke der Wiederkäuer geerntet habe mach ich mich wieder auf den Weg, der sollte ja bekanntermaßen noch länger sein.
Vor allem, da jetzt der Endboss des ersten Levels ansteht. Ich habe kein Foto gefunden, dass die Steilheit des kommenden Anstiegs dokumentiert, also müsst ihr mir einfach glauben. Es ist verdammt steil! Und heiß. In der prallen spätnachmittaglichen Sonne schiebe ich mich Zug um Zug den Berg hoch. Am Ende des Anstiegs wartet immerhin eine Bank auf der man entkräftet in Ohnmacht fallen kann. Kommt man wieder zu sich wird einem dieser Ausblick dargeboten.

Nach diesem Uphill-Kraftakt gönnt einem der Berg nur bedingt eine Pause. Zwar warten keine Höhenmeter, allerdings ein technisch nicht zu unterschätzender Trail.
Trotzdem macht es ungeheuren Spaß über Stock und Stein unterhalb des Teufelsteins fast zu fliegen und dabei ordentlich Meter zu machen 🙂
Noch ziemlich außer Atem nach dieser Vollgaspassage raubt einem der sich nun offenbarende Ausblick zusätzlich den Atem. Einmal mehr muss ich mich einfach hinsetzen und das auf mich wirken lassen.

Selten sieht man ein Ziel so klar vor Augen wie hier. Im Vordergrund die Almen und begrünten Berghänge, die ein fast kitschiges Bild des vorausliegenden Weges malen. Wenn dieser Trail nicht „Lauf mich!“ schreit weiß ich es auch nicht. So gern ich hier auch Wurzeln schlagen will – es zieht mich weiter. Was kommt denn da noch so schönes?
Ein paar Meter weiter oben eröffnen sich einem viele Möglichkeiten. Hier geht es zB auch zur Hochplatte weg. Ich biege links ab und komme relativ schnell an der Piesenhauser Hoch-Alm vorbei. Bei einem kurzen Blick nach rechts reißt es mir schon wieder den Kopf rum und ich bin eifrig am Glotzen. Der Chiemsee, das Bayrische Meer sollte meine Aufmerksamkeit nicht das letzte mal für sich gewinnen!

Nun wirds wieder richtig spannend, denn der Zustieg zur Kampenwand führt erst etwas steiler hoch bevor man im Minutentakt mit völlig unterschiedlicher Flora und Fauna begeistert wird.
Der Maximilianweg schlängelt sich geradezu an den Ostaufstieg heran, welcher durch mehrere Hinweise markiert vielleicht den ein oder anderen verschrecken mag.

Soviel sei gesagt: Jeder muss sich seiner Fähigkeiten bewusst sein und auch seine aktuelle körperliche Verfassung einschätzen können. Lieber mach ich eine Pause mehr als eine nicht endende Pause in einer Kiste unter der Erde 😉 Ich empfinde den Aufstieg als aufregend und willkommene Abwechslung zur bis dahin reinen Wandertour. An einer Stelle wird es sehr ausgesetzt (Seilversichert) und kurz unterhalb des Gipfels gilt es einen knapp 5 Meter hohen Vorsprung fast senkrecht zu überwinden (ebenfalls Seilversichert). Wer sich das zutraut wird auf dem nur noch kurzen Weg zum Gipfel mit einigen der spekatulärsten Panoramen der Tour belohnt! 🙂

Nach dieser mentalen Challenge sind es nur noch ein paar Meter und mein heutiges Ziel ist erreicht!

Ihr erblickt mich hier mit einem zutiefst zufriedenen Lächeln vor dem höchsten Gipfelkreuz in den bayrischen Alpen 🙂 Mit seinen 12 Metern sieht man es tatsächlich ziemlich weit!
Gipfelrummel? Fehlanzeige! Ich komme an und bin erstmal alleine. Nach kurzer Zeit kraxelt noch ein Trailrunner den Gipfel hoch, er verlässt mich aber schon nach kurzen wieder – bye bye.
Ich genieße die Aussicht ein paar Minuten, fülle die Energiespeicher mit meiner Energiebombe und dann gehts auch schon wieder bergab.
Da ich ein Freund von Rundtouren bin gehts natürlich wo anders runter. Beim Aufstieg hab ich schon die Steinlingalm am Fuße der Kampenwand entdeckt und da solls jetzt auch hingehen.

Der kurze Downhill ist ziemlich anstrengend, allerdings eher für die Birne. Viel Geröll und abgegriffene Steine geben nicht den besten Halt.
Egal, ohne Sturz rolle ich ins Flachstück aus und chille mal wieder 5 Minuten bei traumhafter Kulisse mein Leben.

Von der Steinlingalm gehts nun einmal um die Kampenwand rum zur Sonnenalm, wo sich auch die Bergstation der Kampenwandbahn befindet.
Ein befestigter, ca. 2 meter breiter Weg, stationäre Ferngläser und zahlreiche Sitzgelegenheiten lassen den Massentourismus erahnen.
Nicht dass ich das schlecht finde oder gar verachte (wenn jeder die Umwelt respektiert und seinen Müll mitnimmt), aber irgendwie ist mir das doch lieber:
Die sich langsam dem Horizont nähernde Sonne, in der ferne höre ich Kuhglocken und ansonsten ist da nichts, NICHTS! Ich glaube noch nie hat ein Montag einen besseren Ausklang gefunden 🙂

Von der Sonnenalm gehts dann noch einen zuerst richtig schönen, technischen Trail bergab in Richtung Mühlau (angeschrieben). Über die Steinbergalmen kommt man aber recht schnell auf eine Forststraße, die ich bis zum Ende nicht losgeworden bin. Fun Fact #1 : Weil ich eine langgezogene 180 Grad Kurve abgekürzt habe, hab ich den eigentlichen Abstieg über den Wimbach verpasst und bin nochmal gut 1,5 extra km gelaufen – auf der Forststraße. Ich schieb das auf mein schlechtes Mikro-Karma, ich hätte einfach nicht abkürzen sollen 🙂

Fazit: Wer schon immer mal oder just in diesem Moment auf die Kampenwand wollte/will, dem empfehle ich den Aufstieg von Mühlau aus!
Die Tour ist gut 17 Kilometer lange und umfasst 1200 Höhenmeter. Ich war circa 3h30m unterwegs, darin sind aber viele Fotopausen und generelle Chillerei enthalten 😉
An fantastischen Panoramen, Abwechslung und Prestige kenne ich in der Umgebung wenig, das hier heranreicht 🙂

Also, Up we go!

Euer Timo

Trail-Raid 2017

Nach einer langen Odyssee die vorrangig aus Prüfungsvorbereitung und meiner Unfähigkeit einen Fuß über eine Wurzel zu heben bestand wurde es langsam allerhöchste Eisenbahn wieder aufs Pferd zu steigen. Nach meiner verhältnismäßig guten Leistung beim Salzburger Halbmarathon war ich mir sicher: Knie hält, Kondition ausbaufähig, Traildrang immens!

Da kam es ja wie gerufen, dass sich Phillip Reiter, David Wallmann und Steve Auch entschieden haben mal etwas Anderes zu machen. Ich bin selbst erst gut eine Woche vor dem Event darauf aufmerksam geworden und hab mir dann bis 2 Stunden vor Anmeldeschluss Zeit gelassen um mich beim ersten Trail-Raid Event in Bad Reichenhall anzumelden.

Was ist jetzt so besonders an diesem Trail-Raid?! Da es spät ist und ich faul bin zitiere ich ganz frech von der Homepage, zu der ihr übrigens hier kommt: Trail-Raid

„Im Prinzip ist der Trail-Raid ein gemütlicher Gruppenlauf über zwei Tage. Der Spaß und die Gemeinschaft stehen im Vordergrund, aber der Wettkampf kommt trotzdem nicht zu kurz.“

Foto © David Wallmann

Und genauso ungezwungen und lässig und war das Event dann auch. Aber jetzt im Detail:

Um 10 Uhr war der Start angesetzt also bin ich um 09:30 vor Ort und staune nicht schlecht über die legere Art der Veranstalter. Ich bin gerne gut Vorbereitet und heute bin ich es definitiv nicht. Parkplatz Rupertus Therme und eine fast verzweifelte Instagram Nachricht an den Veranstalter (Danke Philipp für die Antwort 😃 ) sollen meine einzigen Infos sein. Ok ok, Asche auf mein Haupt. Auf der Webseite stehen natürlich so gut wie alle Infos die ihr braucht.

Ich komme also an und erkundige mich erstmal wie das mit der Zeitnehmung genau funktioniert. Ihr seht, so ganz hab ich das Konzept des Trail-Raid noch nicht verinnerlicht, schließlich geht’s hier doch vorrangig um den Austausch und das Netzwerken mit Gleichgesinnten. Aber sei‘s drum, das wird schon noch! Die Zeitnehmung erfolgt über eine GPS-fähige Uhr oder, uuuund jetzt kommts: natürlich auch ganz easy mit dem Smartphone und der Strava-App. Ein Strava-Account ist – um in die Wertung zu kommen – obligatorisch. Dieser kann aber in ein paar Minuten kostenlos erstellt werden.

Nice! Ich bin 30 Minuten vor Beginn am Start und fertig ausgerüstet, das war einfach. Nach und nach trudeln die anderen Trailer ein und – obwohl ich eigentlich niemanden kenne – fühlt sich das irgendwie so an, also ob hier die eine oder andere Größe in der Szene in der Menge versteckt ist. Die Atmosphäre ist offen und nicht mal ich kann mich so doof anstellen um niemanden zum Quatschen zu finden. Von einem Wettkampf liegt hier wenig in der Luft – Und genau das ist das etwas andere an diesem feinen Event! Nach einer kurzen Begrüßung und Erläuterung zur Strecke geht es dann endlich los! Trail Raid Tag 2 für viele, Tag 1 für mich.

Blitzstart?! Fehlanzeige. Wie eine gut geölt historische Dampflok setzt sich der Pulk in Bewegung und ich maße mir nicht an nach vorne zu preschen. Ihr seht, ich verstehe langsam wie der Hase läuft 😊 Unser Weg führt uns erstmal geradewegs zur Padinger Alm. Von hier aus geht’s auf dem Normalweg weiter nach oben, ehe wir in den blauen Steig einbiegen. Ich war zwar schon zahlreiche male am Staufen und auch am Zwiesel unterwegs, aber den kannte ich noch nicht. Es geht zwar hier mal runter und dort mal hoch, aber Höhenmeter macht man hier definitiv keine gut. An diesem Tag liegt noch massenhaft teils nasses Laub auf dem Steig, was den recht technischen Trail nicht einfacher macht. Ein offenes Auge und etwas Konzentration lassen mich ohne größere Komplikationen an der Zwieselalm ankommen (phu!)

Blick auf die Zwieselalm, Foto © David Wallmann

Aber verschnaufen is nich! Da ich einen Strava-Aufsteller falsch interpretiert habe bin ich schon voll im Raid-Modus 😉 Als ich kurz oberhalb der Zwieselalm dann den eigentlichen Segmentbeginn erblicke weiß ich zu diesem Zeitpunkt schon, dass mir die Power am Gipfel fehlen wird. Und so ist es auch, zumal das letzte Drittel noch komplett von Schnee bedeckt ist und ich heute noch die Flüche aller Teilnehmer durch den Rupertiwinkel und das Chiemgau hallen höre. Macht nichts, oben angekommen bin ich sichtlich im Arsch. Das erkennt auch das alte Pärchen, das immer ungläubiger dreinblickt als mehr und mehr von diesen Wahnsinnigen den Gipfel erstürmen – manche stürmen stärker, ich stürme eher weniger.  Die Sicht war untertrieben ein Traum. Unfassbar! Sichtweite ca 25 Meter, der Hammer! Aber lange hält es sowieso Niemanden oben. Es ist recht kalt und außerdem besagen Gerüchte an der Zwieselalm gäbe es Futter. Und wo’s Futter gibt bin ich in der Regel nicht weit weg. Der erste Downhill macht dann richtig Spaß. Vergessen sind die gerade durchlebten Qualen und mit einem Lächeln im Gesicht geht’s bergab. Wie versprochen wartet auf der Zwieselalm die Verpflegung – nur für Läufer versteht sich 😉

Typische Läuferverpflegung, Foto © Philipp Reiter

Nachdem alle die Basis für den „Owi“-Teil des Trail-Raids in sich verstaut haben kanns losgehen. Den kompletten „Mulisteig“ geht’s in Höchstgeschwindigkeit runter – natürlich immer vorausschauend, schließlich teilen wir die Trails mit Bergwanderern! Von langsam kann trotzdem keine Rede sein – Ich absolviere das Segment in 9:20. Der spätere Sieger galoppiert hier sogar in 6:03 runter, irre!

Von hier aus folgen wir in eher gemütlichem Tempo dem Normalweg in Richtung Listsee. Die anschließenden gut 100hm Anstieg in Richtung Padinger Alm schlagen gleichermaßen physisch wie auch mental voll zu. Jetzt nur nicht einbrechen, schließlich müssen wir noch „Roasn“! Auf dem Schlusssegment über 1,4 km heißt es nochmal alles mobilisieren was sich ganz hinten im Schrank versteckt hat – was nach den bereits abgeleisteten 20 Kilometern wahrlich nicht mehr viel ist. Komplett ausgepowert geht nun wirklich Licht am Ende des Tunnels auf. Nach 3:23h, 21,7 km und fast 1600 hm ist es geschafft und ich bin megafroh mich so kurzfristig noch angemeldet zu haben! Ich hoffe es wird einen Trail-Raid 2018 geben, oder vielleicht sogar einen Trail-Raid 2017 II?

Man darf gespannt bleiben. Ich kann diese Veranstaltung nur jedem ans Herz legen der sich fürs Trailrunning interessiert. Der Fitnesszustand spielt dabei erstmal eine untergeordnete Rolle! Sicherlich sollte man sich einschätzen können und vielleicht auch nicht zum ersten Mal höher emporsteigen als bei McDonalds am Irschenberg… Wenn man hier einen Haken setzen kann steht der Teilnahme beim nächsten Trail-Raid nichts mehr im Weg!

Neu-Mekka an Silvester – Stoißer Alm

Definitiv musste heute Sport getrieben werden. Die Feierlichkeiten der letzten Tage gehen auch an einem Spargeltarzan wie mir nicht spurlos vorbei 😉
Am Donnerstag hatte ich dann die Möglichkeit bei einer Teamchallenge im Fitclub in Freilassing teilzunehmen und musst mit Erschrecken feststellen, dass meine Oberschenkel ein Trainingsdefizit aufweisen und ich bis heute ein Muskelkater der üblen Sorte habe – Danke dafür Markus Kroiss! Nach dem einen oder anderen Bier am gestrigen Abend benötigte ich dann externe Motivationsquellen um meinen Arsch aus dem Bett zu bewegen – die beste Entscheidung des Tages.

Um kurz nach 1 starten Lukke und ich um den Teisenberg und später die Stoißer Alm zu „erstürmen“ – viel war nicht drin heute. Schon am Parkplatz in Seiberstadt können wir die Ausmaße der Menschenmassen erahnen, die uns erwarten würden. Zu keinem Tag im Sommer war der Parkplatz dermaßn belegt. Die Autos parkten kreuz und quer. Nach einem unspektakulären Aufstieg und mehreren Smalltalk-Stopps erreichen wir nach gut 45 Minuten den Gipfel und gesellen uns kurz zu den anderen Sonnenanbetern.

Doch der Durst wollte gestillt werden und so gings nach kurzer Zeit wieder etwas bergab zur Stoißer Alm. Zur Stoißer Alm braucht man nicht viel zu sagen. Fast jeder der im Rupertigau jemals über 1000hm aufgestiegen ist war schon hier. Von Oktober bis Mai ist nur das Winterlager offen, aber auch hier wird man mit Bier, Kaffee und anderen Schmankerln verköstigt. Gut verständlich also, dass sich an einem sonnigen Samstag wie diesem gefühlte 200 Leute um die Alm tümeln. Viele bekannte Gesichter und eine ausgelassene Stimmung machen den Nachmittag mit zu einem Highlight des Jahres 2016 – oder vielleicht auch nur, weil ich mich so gut daran erinnern kann und der Tag einfach einsame Spitze war!

Nach gut 2 Stunden „Hüttengaudi“ gehts dann auch wieder Talwärts. Der Abend und die Nacht wird schließlich noch länger andauern und eine andere Form der Kondition erfordern 😉

An dieser Stelle will ich einmal einen Dank an alle richten, die das hier lesen – sonst bekommts eh niemand mit, ha! Spaß bei Seite: Ein Dankeschön an meine Familie, alle meine Freunde und alle anderen die mich irgendwie Vorwärts bringen!
2017 wird sicherlich ein anstregendes und interessantes Jahr – Ich habe mir einige Ziele gesetzt, von einigen werdet ihr hier auch etwas lesen und vielleicht kann ich dadurch den einen oder anderen inspirieren oder anspornen, neue Dinge zu versuchen. Denn das Leben beginnt dort wo die Komfortzone aufhört.

So, genug der theatralischen Worte! Einen schönen Abend und natürlich einen Guten Rutsch ins neue Jahr! Wir sehn uns auf der anderen Seite 😉

Staufen – Anfang Dezember

Der Staufen, da in nur gut 30 Minuten von mir Zuhause erreichbar, war schon zig-male Ziel meiner Touren. Am liebsten vom Parkplatz Padinger Alm über den Jägersteig zum Gipfel und anschließend flotten Schrittes übers Bartlmahd wieder runter. (Der Abstieg über den Jägersteig finde ich persönlich unnötig gefährlich und umständlich zugleich, vor allem wenn Gegenverkehr unterwegs ist). Besonders im Hochsommer ist aber auch der Aufstieg über Urwies und die Steiner Alm für diejenigen zu empfehlen, die etwas länger schlafen wollen. Beim Aufstieg über die Nordseite wird man nur bei indirekter Hitze gegrillt …

Aber zurück zum Thema: Am 06. Dezember spätmittags packt mich der Rappel und ich bin wild entschlossen den Gipfel zu erreichen.
Ich packe also meinen Koffer:

  • Trockenes Oberteil
  • Windbreaker
  • Wasser
  • Banane
  • Stirnlampe
  • Stöcke

Um 14:30 starte ich an der Padinger Alm – wohlwissend, dass mich die dunkle Nacht beim Abstieg einholen wird… Der Aufstieg beginnt ernüchternd, die ersten paar Meter sind schon jetzt ziemlich düster und vor allem ist der Weg nass und feuchtes Laub bedeckt die Steine. Beim Aufstieg egal, aber an das Runter denkt ja niemand, wenn man Hoch will.

Kurze Zeit später ist alles vergessen, die Laubbäume werden weniger und auf dem Südhang muss ich sogar wieder etwas ausziehen! Sonnenverwöhnt fliege ich fast den Berg hinauf und werde mit einem tollen Ausblick belohnt.

Blick auf den Zwiesel

Auf etwa 1400 Metern, als es zunehmend felsiger und exponierter wird ist es vorbei mit der gefühlt spätherbstlichen Wärme und eisiger Wind nimmt ihren Platz ein. Aufgeheizt und angeheizt von der immer tiefer stehenden Sonne aber nebensächlich – Ich bin eh fast am Gipfel.

Nach gut 1h15m bin am Ziel, wechsel fix die Kleidung und kann dann der Sonne zusehen wie sie hinterm Horizont verschwindet.

Panorama mit Blick auf Watzmann, Hochkalter & co

Wenn ich nur so heilig wäre, wie es das Bild suggeriert

 

Bis zum Ende verfolge ich das Spektakel allerdings nicht, da ich doch noch gern ein bisschen Licht hätte beim Abstieg. Vor Allem im oberen Drittel ist der Weg oftmals mit Eis bedeckt und dementsprechend langsam und vorsichtig muss man sein. Zudem muss ich feststellen, dass mein Smartphone (Huawei P9) der Kälte nicht gewachsen ist.Obwohl ich genug Akku habe verabschiedet es sich und lässt sich auch in mehreren Anläufen nicht mehr länger als ein paar Sekunden benutzen. Kälte, Eis, Dunkelheit, kein Telefon. Nicht gerade optimale Voraussetzungen.

Ganz so schlimm sollte es dann doch nicht werden. Der Abstieg bis in die „eisfreie“ Zone geht doch recht flott, ich muss noch nicht einmal Gebrauch von meiner Stirnlampe machen und kann sogar noch einmal innehalten und ein Foto machen.

Moon Moon

 

Ab der Hälfte geht es dann mit „Hirnbirn“ und zunehmend langsamer den Berg hinunter. Ich hatte bei meinen letzten Touren schon festgestellt, dass der Weg anscheinend ausgespült wurde und Eisenhaken fast mitten im Weg aus dem Boden stehen. Ich habe wenig Lust über so einen zu stolpern… Also – Gemach Gemach

Wohl behütet aber durchaus erschöpft (die vergleichsweise hohe Konzentration strengt an) komme ich nach gut 2h20m unten an.
Mit ein paar tollen Fotos und einigen Erfahrungen reicher trete ich die Heimreise an.