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TinyBlog / Lattengebirge Nord-Süd

Die Überschreitung des Lattengebirges südlich der Alpenstadt Bad Reichenhall wird den Allermeisten bekannt sein. Am beliebtesten ist sicherlich die Variante von West nach Ost – also vom Festplatz über die Spechtenköpfe hinauf bis zum Predigtstuhl, dann über Hochschlegel, Steinerne Agnes und vorbei am Rotofen hinunter nach Hallthurm.

Schon länger wollte ich den wiedereröffneten (Instandsetzung) Alpgartensteig durchqueren und suchte dann nach einer passenden Route, auf der ich auch Neues entdecken konnte. Eifrig erforschte ich das Gebiet auf outdooractive und hatte auch im nu den flink erstellten GPX-Track auf meiner Uhr.

Gegen 8 Uhr rollt ein weißer Polo erhaben im Wanderzentrum Bayrisch Gmain ein – am Steuer: Ein motivierter Typ der sich auf den Longrun freut! Ich starte die Tour südlich auf dem Hauptwanderweg ins Lattengebirge, der auch auf dem Salzalpensteig liegt.

Nach wenigen Metern überquere ich den Weidbach und stapfe den immer dünner werdenden Trail ohne meine Stöcke nach oben. Die bleiben heute bewusst Zuhause, meine Oberschenkel brauchen das Training und an meinen Oberarmen zu arbeiten ist ohnehin zwecklos. Noch größtenteils im Schatten und bei morgendlicher Kühle windet sich der Weg durch üppig sprießende, fast urzeitlich anmutende Flora. Der abwechslungsreiche aber feuchte Mai verhilft der im April noch verödeten Erde zu neuem Leben. Immer wieder nähere ich mich dem Wappbach, der sich über Jahrtausende hinweg elegant durchs Gestein gefressen hat.

Wappbach
Wappbach

Nach einer guten dreiviertel Stunde entschwinde ich den Fängen der „grünen Hölle“ und stehe erstmals frei im Talkessel unterhalb des Dreisesselberg und des Hochschlegel. Mein Erstaunen hält sich aber in Grenzen, schließlich bin ich jetzt noch in erster Linie wegen des Steigs hier, und der lässt nicht mehr lange auf sich warten. Ein paar steile Stufen später zeugen schon die ersten Seilversicherungen von aufkommendem Adventure-Spaß.

Und gleich im Anschluss beginnt das kleine, aber feine Stückchen Steig. Dieser wurde nach dem massiven Winterfällen 18/19 dann im Herbst durch eine Fachfirma wieder Instand gesetzt und ist jetzt wieder frei zugänglich. Zu meiner und sicherlich auch der Freude der paar Leute, die ich bisher überholt habe.

Der erste Anstieg ist geschafft

Zahlreiche Stufen später erreiche ich den Hochschlegel (1688m), den ich aber einfach links liegen lasse. Es sind nur noch gut 1000 Meter bis zum Karkopf, dem höhentechnischen Peak der Tour (1739 Meter). Zeit die Speicher aufzufüllen und die Aussicht in das Berchtesgadener Land zu genießen. Anstatt mich auf den Weg in Richtung Dreisesselberg zu machen habe ich im Vorfeld beschlossen, noch weiter nach Süden zu laufen. Ein genauer Blick in die grobe Marschrichtung offenbart mir dann auch einen kleinen, unscheinbaren Singletrail entlang eines Grashangs. Doch schon wenige Meter weiter ragen links wie rechts die Latschen empor. Über schroffen Fels hopse ich am Törlkopf vorbei bis sich die Umgebung zu einer Blumenwiese wandelt.

Unmittelbar nach einer kleinen Bergwachthütte biege ich links ab. Auf den Schildern ist Winkl mit 2 1/2 Stunden angeschrieben, auch die Mordaualm ist ausgeschildert. Über einen teils felsigen, teils bewaldeten aber immer steilen Trail gehts nun im Laufschritt bergab. Nur ganz vereinzelt verirren sich auch andere Wanderer hierhin. Bisher habe ich allerdings erst sechs andere Menschen gesehen, dabei bin ich schon über zwei Stunden unterwegs. So kann man aber diesen Anblick in vollen Zügen genießen.

Und nochmal rauf

Vorbei an Wanderparkplatz Klaushäusl erreiche ich nun den Tiefpunkt. Die Uhr zeigt mir 687 Meter an. Von jetzt an kanns nur Bergauf gehen und so biege ich wieder links auf den Panoramaweg hinauf zu Steinernen Agnes ab. Nun machen sich die Höhenmeter langsam bemerkbar, denn der Anstieg zu Beginn ist nicht von schlechten Eltern. Ohne Stöcke stemme ich die Arme auf die Oberschenkel und drücke mich bedächtig Schritt für Schritt nach oben. Hier ist schon merklich mehr los, was vielleicht auch an der verträglicheren Uhrzeit für diese Art von Wandertour liegen mag. Der Trail schraubt sich durch einen schönen Mischwald nach oben und lädt zeitweise wieder zum Laufen ein.

Wieder auf knapp 1300 Metern angekommen laufe ich vorbei an der Agnes einen sehr schönen Abschnitt hinüber zum Mittleren Rotofen (aka „Hexenbusen“). Auf gut anderthalb Kilometern wartet ein sehr abwechslungsreiches Gelände auf mich. Es geht hoch, es geht runter, mal gehts schneller über einen schönen Waldweg, manchmal muss ich einen kleinen Bachlauf überqueren. Nach 16,5 Kilometern passiere ich den „Hexenbusen“ und beginne mit dem Abstieg. Nach kurzer Zeit verpasse ich dann die Abzweigung, da ich auf dem mir bekannten Weg nach Hallthurm bleiben will. Meine Uhr macht mich glücklicherweise unmittelbar darauf aufmerksam. Augen auf beim Trailrunning 😉 Wieder „on track“, zugegeben einem sehr schmalen und wenig frequentierten Wegchen steige ich ins Tal hinab. Direkt in Hallthurm angekommen biege ich links nach einem etwas verwaisten Tennisplatz links ab zurück zum Auto. Die 4 Kilometer zurück zum Auto, die teilweise entlang der Bahnstrecke führen sind wenig spektakulär, aber man kann nochmal richtig Gas geben. Nach etwas über 4 Stunden, 23,5 Kilometern und 2002 Höhenmetern bin ich ausgepowert, aber happy wieder am Auto.

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